Analyse aus Fan-Sicht

Die Zukunft der Bayern – Der Rekordmeister am Scheideweg?

27.04.2017 Wenig Grund zur Freude hatten die Bayern Fans in den letzten beiden Wochen. Während man sich in Sachen Meisterschaft noch auf einem guten Weg befindet, so ist in den beiden anderen Wettbewerben bereits Schluss.

Nach dem bitteren Aus in der Champions League vergangene Woche gegen Real Madrid (auch aufgrund einiger fragwürdiger Schiedsrichterentscheidungen), so ist seit gestern auch Endstation im DFB-Pokal. Hier kann man allerdings keine Schuld beim Unparteiischen suchen. Dieser hat mit knapp 6 Minuten Nachspielzeit sogar den Bayern noch einen Gefallen getan, den diese an diesem Abend aber auch nicht annehmen konnten oder wollten.

70 starke Minuten reichen nicht für Berlin

Wie oben bereits angemerkt hatten die Bayern alles in der eigenen Hand zumindest mit zwei Titeln die Debüt-Saison von Carlo Ancelotti zu krönen. Diesen vorletzten Zacken brach aber am gestrigen Abend die Borussia aus Dortmund aus dem bavarischen Kopfschmuck. Mit 2:3 zog der Rekordmeister vor heimischem Publikum den Kürzeren gegen den ewigen schwarz-gelben Rivalen aus dem Pott. Da tröstet auch eine teilweise Galavorstellung der Münchner nicht darüber hinweg. Ab der 15. Spielminute bis zur 65. hatte man stellenweise das Gefühl der BVB wisse nicht mehr so recht wo oben und unten ist, so rollte der rote Zug über die Westfalen her. Unzählige vergebene Hochkaräter auf die das folgte, was so häufig folgt: Der BVB schlägt mit zwei toll herausgespielten Toren zurück und geht in Führung. Als Bayern-Fan gefühlt die einzigen beiden Offensivaktionen der zweiten Halbzeit von den Borussen und das Spiel steht Kopf. Es gelingt am Ende nicht das Ruder nochmal herumzureißen und so scheidet man aus dem Pokal-Wettbewerb aus.

Meisterschaft kein Selbstläufer

Auch in der Bundesliga ist noch nicht alles in trockenen Tüchern. Acht Punkte Vorsprung bei noch 4 verbleibenden Partien scheinen komfortabel, aber der derzeitige Trend der Bayern zeigt nach unten. Nur zwei Punkte aus den letzten beiden Spielen passen zwar zum aktuellen wettbewerbsübergreifenden Auftreten der Bayern, entsprechen jedoch sicher nicht den eigenen Ansprüchen. Trudelt man in den nächsten Spielen weiter mit der zuletzt gezeigten Konsequenz über den Rasen, so könnte Verfolger Leipzig eventuell nochmal Lunte riechen. Vor Allem weil das direkte Duell ja auch noch ansteht. Sollte dieser Titel auch noch verspielt werden, darf man sich getrost die Frage stellen: Was zum Teufel ist hier vorgegangen?

Gegen Ende wird die Luft knapp

Schon in den vergangenen Jahren unter Pep Guardiola zeigten die Bayern gegen Ende der Saison stets eine gewisse Schwächeperiode. Selbstverständlich ist ein Weiterkommen auf internationaler Ebene immer mit qualitativ stärkeren Gegnern verbunden, die einem die Grenzen aufzeigen können. Aber auch auf nationaler Ebene taten sich die Bayern im Endspurt traditionell schwerer. Diesem Trend bleibt man sich auch dieses Jahr treu. Ein 0:0 in Leverkusen und ein 2:2 zu Hause gegen Mainz eine Woche später sind der Beweis. Musste man während der Saison wochenlang auf einen Punktverlust der Bayern warten, so häufen diese sich am Saisonende. Als man unter Pep schon etliche Spieltage vor Schluss die Meisterschaft in der Tasche hatte und im Kader rotiert wurde, so konnte man das noch stellenweise nachvollziehen. Aber dies war ja nicht immer der Fall.

Was steckt im Kader der Bayern noch drin?

Bei allem Negativen zuvor, so muss man doch sagen, dass die Bayern über weite Strecken einen tollen Fußball spielen und auch zurecht jedes Jahr ganz oben mit dabei sind. Das liegt auch an der guten Transferpolitik. Aber auch im Kader der Münchner gibt es noch vakante Positionen und an anderen Stellen Luft nach oben. Was wohl am Deutlichsten wurde, ist die Lücke hinter Robert Lewandowski. Fehlt der Pole oder ist angeschlagen, haben die Bayern keinen auch nur annähernd adäquaten Ersatz im Sturmzentrum. Thomas Müller, der Vertreter Nummer Eins, hat eine eher schwache Saison hinter sich und wusste vor allem im Sturm nur wenig zu überzeugen. Einen Vertreter Nummer Zwei sucht man im Mannschaftsraster vergeblich. Etwas wo man sicherlich an den Stellschrauben der Kaderplanung ein Wenig drehen kann. Es ist natürlich nicht ganz einfach. Ein Topmann wie Lewandowski wird natürlich so viele Spiele absolvieren wie möglich. Das heißt einen Vertreter mit ebenfalls hoher Qualität wird man im aktuellen taktischen System nur schwer überzeugen können zu den Bayern zu kommen, da dieser hauptsächlich auf der Bank Platz nehmen müsste. Da hatte man mit Pizarro zuletzt eine gute Alternative. Ein Veteran in der Hinterhand. Vielleicht kann man auf diese Weise am Mannschaftsgefüge arbeiten oder ein hoffnungsvolles Talent in die zweite Reihe stellen. Hier muss man jedoch bedenken, dass Talente auch ihre Spielzeit benötigen um sich zu entwickeln.

Wenig Platz für junge Talente

Und hier liegt ein weiterer Potenzial-Pool vergraben. Es ist nicht so, dass die Bayern keine jungen Talente in ihren Reihen hätten. Aber während im Rest der Bundesliga immer wieder junge Spieler zu Leistungsträgern ihrer Teams avancieren, so stagniert die Entwicklung der FCB-„Junioren“ zumindest seit dieser Saison. Ein Joshua Kimmich, unter Guardiola zum Nationalspieler gereift, versprüht längst nicht mehr den Glanz der vergangenen Saison. Ein Renato Sanches, Europameister aus Portugal, vor der Saison als Riesenjuwel eingekauft, fristet sein Dasein zumeist auf der Bank. Kingsley Coman ist ein weiterer Name auf dieser Liste. Der französische Wirbelwind, der in der vergangenen Saison mit seinem Antritt faszinierte, findet praktisch nicht mehr statt. Douglas Costa verzauberte noch vor einem Jahr die Fussball-Welt mit seinen Tempodribblings und Flanken. Auch er hinkt seiner einstigen Form hinterher. Weitere Talente finden überhaupt keine Berücksichtigung. Mit Sicherheit ist es schwierig junge Spieler in einem Team zum Zuge kommen zu lassen, bei dem es nahezu um Perfektion geht. Dennoch glaube ich, dass es möglich ist. Aber vor allem ist es notwendig!

Leistungsträger werden nicht jünger

Frisches, junges Blut wird in allzu naher Zukunft nicht mehr vermeidbar sein. Spieler wie Arjen Robben und Frank Ribéry werden nicht ewig auf diesem Niveau spielen können. Mit Xabi Alonso und Philipp Lahm hören zwei weitere solcher Kandidaten nach dieser Saison auf. Diese Lücken gilt es also bereits zur kommenden Saison zu schließen. Über kurz oder lang muss also was passieren.

Abschließend kann man also konstatieren, dass der FCB nach wie vor ein Weltklasse-Verein mit Weltklasse-Spielern ist. Aber man muss denke ich die Zeichen erkennen und sich an manchen Stellen cleverer aufstellen und auch die Jugend nicht gänzlich aus den Augen verlieren. Das ist und bleibt jedoch ein laienhafter Rat von außen. Die Verantwortlichen beim FC Bayern werden sich schon etwas bei ihren Entscheidungen denken und werden auch in der nächsten Saison und den Jahren darauf eine schlagfertige Truppe präsentieren können. Ich bin gespannt und werde auch in Zukunft mit meinem FCB mitfiebern. Auch wenn ich an Tagen wie dem 2:3 gegen Dortmund fast wahnsinnig werde. Aber so ist der Fußball…und so soll er irgendwie auch sein!

Über den Autor

André Kuhn

André Kuhn ist seit 2015 mit im Redaktions-Team des Blogs "Der Fußball-Blogger". Die Freundschaft zu Christian Schätzle und somit auch der Kontakt zum "Fußball-Blogger" entspringt, wie soll es auch anders sein, dem Fußball selbst. Seit einigen Jahren - mit kleinen Unterbrechungen - sind die beiden im gleichen Verein aktiv und seit geraumer Zeit sogar zusammen mit Vorstandsarbeit betreut. Der Fussball ist somit Bestandteil eines jeden Tages. So ist es nicht verwunderlich, dass man auch in Sachen Weblog gut harmoniert und diesen Weg online gemeinsam fortführt. Von Kindesbeinen an schlägt das Herz von André Kuhn für den FCB aus München und er ist daher besonders an diesem Verein aber auch an der gesamten Fußballwelt interessiert und teilt seine Gedanken gerne mit euch.

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