Interview-Serie

Stefan C. Herbert und die Welt der Spielerberater (Teil 2/3)

18.01.2021 In unserer Interview-Serie trifft Gastautor Christoph Maurer in Wiesbaden auf den Spielerberater Stefan C. Herbert. Nachdem die beiden im ersten Teil des Interviews auf die Vergangenheit von Herbert eingingen, rückt im 2. Teil des Interviews die Spielerberater-Tätigkeit in den Vordergrund.

Christoph Maurer, Gastautor

Wer den ersten Teil noch nicht gelesen hat, der findet ihn hier: Spielerberater Stefan C. Herbert stellt sich im Interview vor (Teil 1/3)

Christoph Maurer: Sie haben mir im Vorfeld erzählt, dass Sie nur mit anständigen Spielern zusammenarbeiten. Wie können und wollen Sie das im Einzelfall gewährleisten?

Stefan C. Herbert: Allerdings, für meine Spieler geh ich durchs Feuer! Und warum? Weil ich mit jedem Einzelnen lange Gespräche führe, oftmals auch mit den Eltern (der Apfel fällt ja bekanntlich nicht weit vom Stamm, was ich bisher auch bestätigen kann) und seltener mit dem Trainer. Ausserdem lernt man sich ja bereits schon bei der Anbahnung einer solchen geschäftlichen Zusammenarbeit ganz gut kennen, denn sowas dauert i.d.R. Wochen. Einen meiner Klienten kenne ich bereits seit Oktober 2018, und erst vor ein paar Tagen haben wir uns darauf geeinigt, dass ich ihn in Zukunft offiziell vertrete. Ausserdem, und das will ich hier auch mal in aller Deutlichkeit sagen, arbeite ich nur und ausschliesslich mit volljährigen Spielern zusammen; da gibt es keine Ausnahmen, und seien sie noch so talentiert!

Christoph Maurer: Warum nicht, machen andere doch auch?

Stefan C. Herbert: Schon, aber die interessieren mich nicht! Ich käme mir da vor wie ein mieser kleiner Zuhälter, und ich mache auch niemals Versprechungen die ich nicht halten kann. Diese ganze leider existierende Praxis halte ich ich für komplett unmoralisch, unethisch und schäbig. Meiner Meinung nach sollte das alles verboten werden! Hinzu kommt, dass die meisten sog. „Berater“ ja noch nicht mal im Besitz einer gültigen Lizenz sind …

Christoph Maurer: Sie haben doch aber auch keine?

Stefan C. Herberts Fernuni-Abschluss zum Diplom-Sportbetriebswirt der Deutschen Sportakademie in Köln

Stefan C. Herbert: Brauch ich auch nicht, denn ich hab was bedeutend Wertvolleres: Nämlich meinen Fernuni-Abschluss zum Diplom-Sportbetriebswirt der Deutschen Sportakademie in Köln. Und der berechtigt mich mehr als alles andere, hier kompetent mitmischen zu dürfen. Darüber hinaus, wenn ich das mal erwähnen darf, muss man sich in diesen speziellen Corona-Zeiten auch mal n paar kleine Tricks ausdenken, um zu potentiellen Klienten Kontakt aufzunehmen, woraufhin ein Verein der sich auf den Schlips getreten fühlte, rechtliche Schritte gegen mich einleiten wollte. Das ist denen aber kurze Zeit später auf die Füße gefallen, weil ich mich (auch im Gegensatz zu so manchem Sportvorstand) juristisch halt doch ganz gut auskenne und daher weiss, wann das Eis tatsächlich mal dünn werden könnte. Von daher gehen mir solche Drohungen sehr weit hinten vorbei (lacht).

Christoph Maurer: Trotzdem, warum werden solche Dinge, die Sie für falsch halten, dann dennoch allerorten so gehandhabt?

Stefan C. Herbert: Weil die Beraterlobby nun mal unheimlich mächtig ist! Für gewöhnlich bekämpfen sich all diese mitunter wirklich dubiosen, fragwürdigen Gestalten bis aufs Blut, und ich könnte Ihnen da jetzt Geschichten erzählen, da würden Ihnen die Haare zu Berge stehen, denn auch ich wurde bereits zweimal attackiert. Aber in diesem einzigen Punkt kratzt halt keine Krähe der anderen ein Auge aus, zumal diese Kinder und Jugendlichen – und oftmals auch deren Eltern, die von der ganzen Sache nichts verstehen – leichte Beute sind. Die meisten Leute können sich gar nicht vorstellen, was das für ein endloses „Beschnuppern“ ist, und wie lange es dauert bis man sich gegenseitig wirklich vertrauen kann. Ich mache mir diese Arbeit jedes Mal, und ich tue es auch gerne, aber viele andere sind dazu nicht bereit, gerade weils eben auch einfacher geht. Aber das ist nix für mich!

Christoph Maurer: Sie könnten ja durchaus schon ein weit grösseres Portfolio besitzen …

Stefan C. Herbert: Gut beobachtet! Aber nochmal, und jetzt bleiben wir mal bei den wie gesagt volljährigen Spielern, die ich vertrete bzw. mal fast vertreten hätte: Machen Sie bloss nie den Fehler zu glauben, dass jemand ein guter Mensch sei, nur weil er die Pille ein klein wenig besser geradeaus kicken kann als Sie und ich! Der Fussball ist nun mal tatsächlich der vielzitierte Gesellschaftsquerschnitt, und da finden Sie genauso viele dumme Arschlöcher wie überall anders auch. Wenn auch mit dem einzigen Unterschied, dass man als Berater schon automatisch das Arschloch ist (lacht). Aber die Rolle des Bad Boys spiele ich ja schon lange genug, und im Endeffekt ists mir auch völlig egal! Bloss wundern muss ich mich schon immer wieder …

Christoph Maurer: Inwiefern?

Stefan C. Herbert: Ach, ich weiss gar nicht wo ich da anfangen soll, so vergiftet ist das Klima zwischen Clubs und Beratern heutzutage, weil nun mal alle über einen Kamm geschert werden.

Christoph Maurer: Ein Beispiel?

Stefan C. Herbert: Machen Sie sich doch einfach mal den Spass und fahren Sie auf ein Trainingsgelände oder zu einer Geschäftsstelle irgendeines Oberligisten, und geben sich dort als Berater aus der gerne den Spieler XY gesprochen hätte. Da schreien die sofort nach Sicherheitsdienst und Anwaltskanzlei gleichzeitig, so unfassbar paranoid sind die. Man muss also, gerade auch jetzt in Corona-Zeiten, schon kreativ sein um Spieler für sich zu gewinnen, also um den ersten Kontakt herzustellen.

Christoph Maurer: Und wie haben Sie das dann gemacht?

Stefan C. Herbert: (lacht laut) Berufsgeheimnis, darüber sprechen wir vielleicht ein ander Mal … Fest steht dass ich, auch durch meine viel zu offene Art, auch schon Vereine verprellt hab, aber es geht nun mal nicht anders. Wenn Sie in diesem Geschäft nicht bereit sind, überall der „geldgeile Böse“ zu sein, sind Sie sowieso mehr als fehl am Platze. Ich hab mich da auch schon so manches Mal hinterfragt, und man braucht schon ein dickes Fell, welches ich habe, aber da ich all das ja für nen guten Zweck mache, bleibt mir gar nichts anderes übrig als diesen Weg weiter zu beschreiten. Denn mein übergeordnetes Ziel ist ja ein ganz anderes, und davon lass ich mich auch nicht abbringen!

Christoph Maurer: Keine Sorge, das Beste kommt zum Schluss …

Stefan C. Herbert: Wie Sie meinen … Im Übrigen hab ich gerade gestern eine Mail meiner ehemaligen Fernuni erhalten, wo während den Seminaren direkt vor Ort immer alle per Du waren, diesmal wurde ich schon gesiezt (schmunzelt schelmisch), weil sich dort auch schon Funktionäre über mein kompromissloses Vorgehen beschwert hätten, und ich solle doch in Zukunft bitte vertrauensvoll mit den Vereinen zusammenarbeiten. Zwar hab ich mich, wie sich das gehört, für evtl. Unannehmlichkeiten entschuldigt, aber als ich das gelesen habe musste ich laut lachen, denn grösser könnten Phantasie und Realität nicht weiter auseinander klaffen. Nur das nebenbei bemerkt nochmal zum dicken Fell, denn Sie sehen, egal wohin man blickt: Die Knüppel zwischen die Beine kommen aus allen Richtungen angeflogen, auch von dort wo man es niemals erwartet hätte. Ändert dennoch nichts an meiner Arbeitsweise, denn ich werde dafür bezahlt meine Spieler in allen Lebenslagen beizustehen, und da muss man auch mal die Samthandschuhe ausziehen. Und das obwohl ich doch so ein netter Kerl bin, nicht wahr?

Christoph Maurer: Auf alle Fälle sind Sie sehr gastfreundlich, das kann ich nicht bestreiten.

Stefan C. Herbert: Na also, wer sagts denn (lacht).

Christoph Maurer: Bleiben wir aber nochmal kurz bei der Thematik Berater / Vereine, denn das finden meine Leser mit Sicherheit ganz besonders interessant. Haben Sie da ein konkretes Beispiel parat?

Stefan C. Herbert: Klar doch, aber Sie werden verstehen dass ich Ihnen nicht erzähle, um welche Vereine es sich handelt; na schön, es sind zwei grosse Regionalliga-Clubs: Ich hab da vor einiger Zeit mal inoffiziell nen Spieler vertreten, der ein verlogener, egoistischer Rassist war und höchstwahrscheinlich immer noch ist, weshalb ich die Zusammenarbeit dann auch zügig beendet habe. Nichtsdestotrotz gab es kurze Zeit später zwei konkrete Angebote für den Typen. Die meisten Berater wären ihm in den Arsch gekrochen, um mit allen Mitteln eine Provision von in diesem Fall 12 – 15.000 Euro zu ergattern. Ich hingegen hab mich nicht mehr bei ihm gemeldet. Stattdessen hab ich die beiden Sportvorstände wissen lassen, was sie sich da für ein Früchtchen ins Nest holen würden. Ich hab den Clubs damit also sogar noch nen Gefallen getan, aber natürlich bekam ich weder ein Dankeschön noch sonst irgendeine Rückmeldung; vermutlich halten die mich jetzt für völlig übergeschnappt (lacht). Man könnte also theoretisch behaupten, dass solche Verantwortlichen belogen werden wollen; diese Aussage ist, glauben Sie’s mir, nicht zu weit hergeholt.

Christoph Maurer: Schon merkwürdig …

Stefan C. Herbert: Würd ich auch sagen! Also ich an deren Stelle hätte mich anders verhalten, aber Sie sehen, welches Muster wieder zutage tritt: Ohne Ansehen meiner Person wird sofort geurteilt – falsch geurteilt wie ich ganz klar sagen muss – und es geht nach wie vor immer so weiter wie bisher, nämlich gegen- anstatt miteinander.

Christoph Maurer: Was wurde aus dem Spieler?

Stefan C. Herbert: Erzähl ich Ihnen sofort, aber vorher fällt mir gerade noch ein Beispiel ein …

Christoph Maurer: Gerne, nur zu; Stories aus dem Nähkästchen sind immer willkommen.

Stefan C. Herbert: Wir wollen’s auch nicht übertreiben, aber als ich damals gegen Ende meines Fernstudiums meine Diplomarbeit geschrieben habe, war ein Sportdirektor eines Zweitligisten so freundlich, mir ein Interview zu geben. Veranschlagt hatten wir ca. 20 Minuten, unterhalten haben wir uns dann über eine Stunde. Das war ein wirklich sehr schöner Nachmittag in einer freundschaftlichen, vertrauensvollen Atmosphäre, wofür ich dem guten Mann noch bis heute sehr dankbar bin, und daran wird sich auch nichts ändern. Er stellte als einzige Bedingung, dass ich ihm die komplette Arbeit später zuschicke; hab ich natürlich auch gemacht, zumal sie gut bewertet wurde. In derselben Mail verriet ich ihm, dass ich mich nun als Berater selbständig machen werde.

Christoph Maurer: Und wie ging’s weiter?

Stefan C. Herbert: Was denken Sie?

Christoph Maurer: Sagen Sie’s mir!

Stefan C. Herbert: Ich hab ihm kurz danach noch ne Geburtstagskarte geschickt, später auch noch ne Weihnachtskarte, dazwischen immer mal Spielervorschläge, die ich aus der hiesigen Region persönlich kannte, aber ich hab nie wieder was von ihm gehört. Über gemeinsame Bekannte könnte man sich hier und da (ich will da jetzt nicht ins Detail gehen) zwar immer mal wieder über den Weg laufen, aber dieses „Risiko“ scheint er in Kauf zu nehmen, denn: Es ist immer wieder das alte Lied, dass sich Sportvorstände und Berater ganz offensichtlich immer spinnefeind sein müssen. In den grossen Ligen der USA bspw. pflegen die Funktionäre zu den Agenten ein ganz anderes Verhältnis, da herrscht ein respektvoller Umgangston und man kooperiert gelegentlich miteinander. Aber hierzulande ist das absolut unvorstellbar, und ich find’s generell einfach nur schade, denn es müsste nicht so sein.

Was aus dem oben angesprochenen Spieler wurde und was Stefan C. Herbert durch seine Spielerberater-Tätigkeit sonst noch so in die Wege geleitet hat, erfahrt ihr im 3. und letzten Teil dieser Interview-Serie: Stefan C. Herbert – The Social One

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