Interview-Serie

Stefan C. Herbert – The Social One (Teil 3/3)

26.01.2021 In unserer Interview-Serie trifft Gastautor Christoph Maurer in Wiesbaden auf den Spielerberater Stefan C. Herbert. Nachdem die beiden im ersten Teil des Interviews auf die Vergangenheit von Herbert eingingen und im 2. Teil die eigentliche Spielerberater-Tätigkeit in den Vordergrund rückte, lernt ihr jetzt noch eine ganz andere Seite von ihm kennen.

Christoph Maurer, Gastautor

Wer die ersten beiden Teile noch nicht gelesen hat, der findet sie hier:
Spielerberater Stefan C. Herbert stellt sich im Interview vor (Teil 1/3)
Stefan C. Herbert und die Welt der Spielerberater (Teil 2/3)

Stefan C. Herbert: Mehr als nur ein Spielerberater

Christoph Maurer: Was wurde denn aus dem vorhin von Ihnen angesprochenen Spieler?

Stefan C. Herbert: Ach ja, Sie meinen den Rassisten?

Christoph Maurer: So haben Sie ihn genannt …

Stefan C. Herbert: Wenn ich mich recht erinnere, hab ich ihn noch mehr als das genannt, und ich könnte jedes einzelne Adjektiv anschaulich belegen. Aber ich hab ihm trotzdem alles Gute gewünscht …

Christoph Maurer: Also keine „schmutzige Scheidung“, wenn man so will?

Stefan C. Herbert: Es war logischerweise nur ne Höflichkeitsfloskel! Zwar wünsche ich ihm keinen Hodenkrebs, aber zwei Kreuzbandrisse links und rechts die das Karriereaus bedeuten würden, hätte er sich schon mehr als verdient, um sich dann nach 45 Jahren Schufterei in irgendeiner Fabrik zu fragen, ob es das wert war. Aber dazu müsste er in der Lage sein zu reflektieren, und dazu reichts bei ihm intellektuell nicht so ganz. So oder so: Mit schlechten Menschen will ich nichts zu tun haben, weder privat noch beruflich! Und dabei bleibts auch!

Christoph Maurer: Dann kommen wir nun, gegen Ende unseres Gesprächs, mal von den schlechten Menschen zu den Gutmenschen. Als so einen könnte man Sie ja durchaus bezeichnen, nicht wahr?

Stefan C. Herbert: Für mich ist das kein Schimpfwort, im Gegenteil. Obwohl man sagen muss, dass viele dieser Leute leider völlig verbissen und ziemlich humorlos daherkommen; das nervt selbst mich manchmal, denn in Anwesenheit solch engagierter Gruppen dürfen Sie sich nicht den kleinsten Witz erlauben, selbst wenn er wirklich gut ist: Egal worum es auch geht, die Lage ist immer todernst (lacht)!

Christoph Maurer: Aber todernst ist es Ihnen doch auch?

Stefan C. Herbert: Diese soziale Arbeit, auf die wir jetzt zu sprechen kommen, nehme ich in der Tat sehr ernst, denn es ist das was mich antreibt. Das und nichts anderes, meine Herzensangelegenheit also, wenn Sie so wollen.

Christoph Maurer: Machen wir’s konkret: 20% aller erzielten Transfererlöse Ihrer Spieler wandern nicht in Ihre Tasche, sondern …

Stefan C. Herbert: Ja, genau, sondern in ein Projekt auf welches ich aufmerksam wurde, das im ländlichen Kenia u.a. den Bau von Brunnen und Schulen finanziert und unterstützt.

Christoph Maurer: Lobenswert; ich kann mir nicht vorstellen dass es viele Berater gibt, die so grosszügig und selbstlos agieren.

Stefan C. Herbert: Offen gestanden fällt mir da auch keiner ein, allerdings gibt’s auch nicht viele Leute die mich loben so wie Sie gerade eben. Ehrlich gesagt kann ich sie an einer Hand abzählen, aber das juckt mich nicht weiter. Jemand sagte mir kürzlich, ich solle mich doch lieber um Belange hierzulande kümmern, aber wir haben andere Kontinente so ewig lange ausgebeutet, da ist es doch nur fair und vielleicht sogar auch eine Chance, wenn sich die Machtverhältnisse mal verschieben.

Christoph Maurer: Zurück zu Ihnen persönlich: Hatte nicht Willi Weber, der ehemalige Manager von Michael Schumacher, den Spitznamen „Mr. 20%“?

Stefan C. Herbert: (lacht) Ja, ich glaube sowas mal gehört zu haben, aber das hatte wohl andere Gründe. Wissen Sie, wenn DFB-Präsident Fritz Keller jetzt 1% seines Einkommens (und das ist mit Sicherheit höher als das meine) für den guten Zweck spendet, und auch die Spieler, die sich Juan Mata’s „Common Goal“-Initiative angeschlossen haben, ebenfalls nur 1% Ihres noch höheren Salärs spenden, ist das zwar auch lobenswert, aber seien wir ehrlich: Ich glaube schon, dass ich da langfristig mehr bewirken kann und werde, zumal ich noch andere Pläne habe.

Christoph Maurer: Welche denn?

Stefan C. Herbert: Wussten Sie eigentlich, dass gut die Hälfte aller Beteiligten an „Common Goal“ Frauen sind, also Spielerinnen? Und sagt das nicht auch irgendwas über den Zustand unserer Gesellschaft und den Profifussball aus? Da sollte man mal drüber nachdenken, finde ich …

Christoph Maurer: Was meinen Sie damit genau?

Stefan C. Herbert: Nun ja, wie ich ja vorhin schon sagte, ist der Fussball in der Tat ein Gesellschaftsquerschnitt. Wenn Sie nun den ganzen Sexismus und auch die Homophobie die in deutschen Stadien herrschen dazu addieren, ist das nicht mehr feierlich, übrigens schon lange nicht mehr. Mag ja auch sein, dass es da in der Vergangenheit Fortschritte gab, aber die reichen eben nicht. Und man sollte sich mal überlegen, ob nicht gerade Frauen und Homosexuelle die wesentlich empathischeren Menschen sind, und diese dann vielleicht auch im Fussball mal häufiger zu Wort kommen sollten. Denn ob jetzt jemand Frauen oder Männer liebt, meine Güte, ich finde kaum ein Thema auf dieser Welt noch nebensächlicher. Solange sie überhaupt jemanden lieben, ist doch alles bestens.

Christoph Maurer: Sie wollen damit sagen, dass die Fussballwelt kalt und herzlos ist?

Stefan C. Herbert: Bingo! Treffender hätte ich’s kaum formulieren können, danke.

Christoph Maurer: Sie sagten eben, dass Sie noch andere Pläne hätten …

Stefan C. Herbert: Richtig. Dabei handelt es sich aber um ein mittel- bis langfristiges Ziel, welches u.a. auch davon abhängt wie gut und erfolgreich ich meine Arbeit mache. Und man darf den Faktor Glück nicht unterschätzen, den viele Leute ja kategorisch ausklammern; ich jedoch nicht.

Christoph Maurer: Nochmal, worüber reden wir hier konkret?

Stefan C. Herbert: Über die Gründung meiner eigenen Stiftung. Das ist mein Lebensziel!

Christoph Maurer: Wow, hört sich gut an …

Stefan C. Herbert: Seh ich genauso. Früher oder später wird sie an den Start gehen, aber es ist unglaublich was einem da für Steine in den Weg gelegt werden. Ich hab schon ungefähr 20 relativ prominente Leute (auch aus der Welt des Sports) angeschrieben, ob sie sich vorstellen könnten, sich daran in irgendeiner Form zu beteiligen. Das Ergebnis war ernüchternd!

Christoph Maurer: Ich höre Ihnen weiterhin aufmerksam zu …

Stefan C. Herbert: Ich will es mal so formulieren: In den USA, und das können Sie mir glauben, wäre es garantiert einfacher, Unterstützer heranzuziehen, aber hier denkt halt jeder nur an sich. 90% haben bis heute nie geantwortet, und der Rest hat blöde Bemerkungen gemacht. Eine rühmliche Ausnahme gibt es allerdings doch, und da nenne ich auch gerne mal Ross und Reiter: Die Katrin Müller-Hohenstein vom ZDF hat mir eine recht lange Mail geschrieben, meine Entschlossenheit gelobt und mich wissen lassen, dass ihr mein Engagement gefällt, verfeinert mit persönlichen Anekdoten. Diese Mail lese ich mir in dunklen Stunden immer mal wieder durch und weiß dann, dass es doch noch sympathische und durch und durch anständige Leute gibt.

Christoph Maurer: Was soll denn der Zweck Ihrer Stiftung sein, und wie soll sie heissen?

Stefan C. Herbert: Imagine-Foundation.

Christoph Maurer: Aha, wie kommen Sie ausgerechnet darauf?

Stefan C. Herbert: Mit dem Begriff verbinde ich so einiges, aber dazu will ich mich zum momentanen Zeitpunkt noch nicht äußern. Das hat tief gehende private und persönliche Gründe, hat nichts mit Ihnen zu tun; nehmen Sie’s daher also bitte auch nicht persönlich.

Christoph Maurer: Alles gut.

Stefan C. Herbert: Aber der Tag wird kommen, keine Sorge (lächelt). Auch wenn man es vielleicht auf den ersten Blick nicht für möglich hält, so bin ich (und jeder der mich kennt wird das gerne bestätigen) im Grunde meines Herzens ein wirklich hochsensibler Mensch. Und die Stiftung, soviel kann ich durchaus preisgeben, wird sich um Menschen kümmern, denen es weniger gut geht, und sie wird versuchen, diese Lebensumstände zu verbessern. Jeder, oder sagen wir mal fast jeder, erlebt ja in seinem Leben früher oder später Höhen und Tiefen, und hierbei geht’s um die Tiefen, und zwar um ganz konkret solche, die ich auch schon erleben musste.

Christoph Maurer: Wie und wo sehen Sie denn Ihre Zukunft, und was wünschen Sie sich für diese?

Stefan C. Herbert: Oh, das ist aber jetzt ne breitgefächerte Frage. Lange oder kurze Antwort (lächelt)?

Christoph Maurer: Ganz wie Sie wollen …

Stefan C. Herbert: So abgedroschen es auch klingen mag, aber vor allem natürlich Gesundheit! Ansonsten (überlegt), schauen Sie sich um: Luxus brauch ich in der Tat keinen. Aber beruflicher Erfolg wäre schon ganz nützlich, um eben früher oder später die Stiftung voranzutreiben. Wenn ich dann noch irgendwann wieder irgendwo am Meer leben könnte, zusammen mit ein paar Hunden und bestenfalls einer netten Frau, dann wäre ich wunschlos glücklich und wüsste, dass Gott es gut mit mir meint. Aber das weiß ich sowieso, sonst wäre ich im Kongo oder anderswo zur Welt gekommen und hätte mich von Kindesbeinen in irgendsoner Coltan-Mine abrackern müssen und wäre wohl jetzt schon längst tot. Insofern brauchts eigentlich nicht viel, und alle meine Wünsche hätten sich erfüllt (lächelt).

Christoph Maurer: Herr Herbert, dafür drücke ich Ihnen die Daumen und danke Ihnen für Ihre Zeit und dieses Gespräch. Es war sehr interessant, und ich konnte eine Menge vom heutigen Tag mitnehmen.

Stefan C. Herbert: Sie können auch gleich noch den Müll mit runternehmen (lacht laut und klopft mir auf die Schulter). Aber im Ernst: Sie haben einen guten Job gemacht, und aufgrund dessen hab ich Ihnen zu danken.

Christoph Maurer: Gern geschehen.

Stefan C. Herbert: Alles Gute für Sie; bleiben Sie so wie Sie sind, hauptsächlich aber gesund!

Christoph Maurer: Sie ebenfalls, danke Ihnen.

Stefan C. Herbert: War mir eine Freude …

Die Redaktion von Der Fussball-Blogger bedankt sich sowohl bei Stefan C. Herbert für seine Zeit und die sehr ausführlichen und interessanten Aussagen sowie bei Christoph und Oliver Maurer für das Erstellen und Durchführen des Interviews. Wenn auch ihr geeignete Interview-Partner kennt und als Gastautoren auf der-fussballblogger.de auftreten möchtet, schickt uns gerne eine Mail an kontakt@der-fussballblogger.de.

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