Neues Karrierestandbein?

Profifußballer werden zu Videospiel-Streamern

Der Fussball-Blogger mit Markus Schulzen von One4U

Das vergangene Jahr war auch für die Profi-Fußballer eine echte Herausforderung: Meisterschaften abgesagt, der Spielplan verschoben und auch sie waren angehalten möglichst daheim zu bleiben. Einige der Kicker fanden dabei eine neue Leidenschaft und möglicherweise sogar ein zweites Karrierestandbein: Sie zocken Videospiele und streamen diese sogar im Internet, und zwar nicht nur das Fußballspiel FIFA, sondern vor allem auch angesagte Games wie Fortnite und Call of Duty. Mitunter verdienen Sie damit sogar Geld für den guten Zweck.

Weit hergebracht ist die Verbindung zwischen Fußball und Gaming nicht: Videospielen gilt inzwischen sogar als echter Sport und viele deutsche Mannschaften haben ihre eigenes eSport-Team, mit dem sie zu großen Meisterschaften antreten. Dazu gehören unter anderem der FC Schalke, RB Leipzig, Bayer 04 Leverkusen, der VfB Stuttgart, der VfL Bochum, 1. FC Köln, der FC Nürnberg, FC Bochum und als einer der Vorreiter der VfL Wolfsburg, der schon seit 2015 im eSport präsent ist. Während die Stars auf dem Rasen während der Bundesliga-Saison kaum Zeit zum Zocken auf der Couch haben, lieben viele die elektronische Unterhaltung, während der Spielpausen.

Wer den Ballsport zu arg vermisste, spielte über die Konsole FIFA und um dabei nicht ganz allein zu zocken, besannen sich viele auf das Streamen ihrer Sessions. Dabei machte sich auch FC Hansa Rostock Kapitän Julian Riedel einen Namen, der angab, dass er auf der Streaming-Plattform Twitch in der Regel 100 bis 200 Zuschauer hatte. „Die Leute finden es cool, dass ich sie an meiner Leidenschaft für FIFA teilhaben lasse“, erklärte er, und das ist keineswegs verwunderlich, denn auf diese Weise kommen viele Fans ihrem Idol privat näher, können sich über den Chat mit ihm unterhalten und zudem sein spielerisches Können im Internet verfolgen, wenn sie ihn nicht beim Stadionbesuch anfeuern können.

Ein echter Gewinn ergibt sich auch daraus, dass oft zu gemeinnützigen Zwecken gespielt wird. Der DFB beispielsweise lud im April 2020 unter dem Thema #WePlayAt Home zu einem virtuellen Turnier ein, bei dem FIFA 20 gespielt und das über Twitch und YouTube gestreamt wurde – der Erlös ging dabei an die Initiative Kinderträume der DFB-Stiftung Egidius Braun.

Auch im „Bundesliga Home Challenge“ der DFL traten virtuell Clubs aus der ersten und zweiten Liga gegeneinander an und lieferten sich ein spannendes Turnier, bei dem sich im Finale der FC Heidenheim gegen den FC St. Pauli durchsetzte.

Die deutschen Fußballprofis begeistern sich jedoch keineswegs nur für FIFA. FC Union Berlin Neuzugang Max Kruse machte beispielsweise kurz nach seinem Umzug in die deutsche Hauptstadt von sich reden, als er mit „Call of Duty“ unter die Streamer ging – direkt aus der neuen Wohnung, wo noch die Umzugskisten standen. Seit langem ist er als Spieler bekannt, nicht nur von Computerspielen, sondern auch von Pokerturnieren. Twitch wiederum ist eine beliebte Plattform für das Streaming von Online-Poker und anderen Glückspielen. Wäre es eine neue, attraktive Idee die Stars auch Online Fußballenwetten auf der Plattform abgeben zu lassen?

Streaming kann zur lukrativen Karriere werden – das weiß man von deutschen Twitch-Stars wie Knossi oder MontanaBlack, die dank ihrer Follower und dem Streamen von Games und Online-Casinos ein Vermögen machten. Auch für die bekannten Fußballer mag sich daraus eine neue Einnahmequelle ergeben, zumal sich viele Sponsoren die Werbung auf angesagten Twitch-Profilen eine Menge kosten lassen. Bisher beschäftigen sich die meisten professionellen Kicker jedoch nur zum Spaß oder eben zur Charity mit dem Streaming ihrer Videospiele.

Die Kollegen Kai Havertz, derzeit beim FC Chelsea unter Vertrag, Julian Brandt von Borussia Dortmund, Mitchell Weiser, Abwehrspieler beim SV Werder Bremen, und Sam Schreck vom FC Erzgebirge Auge gründeten kameradschaftlich ein Gaming-Team – sie zocken gemeinsam Fortnite oder Call of Duty. Dazu gründeten sie sogar einen Streaming-Channel unter dem Namen „Ifnanas“ und sorgten damit vor allem während im letzten Jahr für kurzweiligen Zeitvertreib – bei sich selbst wie natürlich auch ihren Fans.

Fortnite wurde auch bei der groß angelegten Mashup Competition, organisiert von der Agentur SportsTotal, gespielt, wo Profi-Fußballer gegen Profi-Gamer antraten. Kai Havertz setzte sich in der Fußballerrunde am Ende gegen Marco Reus durch, wobei er zugab, das virtuelle Spielerlebnis sei nervlich anstrengender gewesen als ein Spiel im Stadion, und das, obwohl er daheim ein weitgehend erfahrener Spieler ist und gewöhnlich mit großem Selbstvertrauen spielt. Am Ende hatte die Sportler gegen die professionellen Gamer keine Chancen, doch um Gewinnen ging es hier weniger als um den Spaß und einen guten Zweck: Gemeinsam spielte man eine beachtliche Spendensumme von 277.000 Euro ein.

Wenngleich der Fußball nun wieder seinen gewohnten Fortgang nimmt, konnten sich viele Spieler auf der ganzen Welt in den vergangenen Monaten auf Twitch die Zeit vertreiben. Mesut Özil mag sich seit seinem Abschied aus der Nationalmannschaft über eine Zukunft fern vom Rasen Gedanken machen – immerhin gilt er als begnadeter Fortnite-Spieler. Neymar zockt aus Frankreich, wenn er nicht gerade für Paris Saint-Germain im Stadion ist, und begeistert sich dabei vor allem für Call Of Duty. Beide Spieler streamen dabei gerne auf Twitch – Neymar mit beachtlichen 1,7 Millionen Followern und Mesut Özil mit immerhin knapp 175.000.

Ob das Streamen für die Fußball-Asse wirklich zur Karriere wird, ist fraglich, bekannt ist jedoch, dass eSport immer mehr an Bedeutung gewinnt und zum festen Bestandteil vieler Klubs wird – zumal dort ebenso viele junge Fans wie zahlungskräftige Sponsoren zu finden sind, während traditioneller Fußball nach den Auszeiten der vergangenen Monate weitgehend in finanzieller Krise steckt.

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