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Phantomtor in Sinsheim

Zwei gute Mannschaften, ein taktisch geprägtes Spiel, zwei reguläre Tore für die Heimmannschaft, ein reguläres Tor für die Auswärtsmannschaft. Und am Ende heißt es trotzdem 1:2 für den Gast. Hört sich komisch an, ist aber heute Abend wirklich so passiert. Schuld daran aus meiner Live-Perspektive im Stadion einzig und allein das Schiedsrichtergespann um Dr. Felix Brych.

Nun aber der Reihe nach. Leverkusen steht über das komplette Spiel hinten drin, lässt Hoffenheim bis 30 Meter vor dem eigenen Tor spielen und beschränkt sein Spiel auf Konter. Durch einen dieser Konter geht die Werkself Mitte der ersten Halbzeit in Führung. Sidney Sam setzt sich auf rechts durch, zieht in die Mitte, wird dabei nur halbherzig angegriffen und kann den Ball aus 17 Metern unhaltbar flach im Toreck unterbringen. Am Spiel ändert das überhaupt nichts. Leverkusen steht weiterhin hinten drin, Hoffenheim hat nur wenige Ideen – kommt nur ganz selten zum Abschluss. Die wenigen Chancen waren dann aber hochkarätig. Unter anderem erzielte Kevin Volland einen sehenswerten Treffer, der vom Schiedsrichterassistenten wegen vermeintlicher Abseitsstellung nicht anerkannt wurde. So wechselte man beim Stand von 0:1 die Seiten. Insgesamt eine sehr zähe erste Halbzeit. Leverkusen tat nur das Nötigste. Hoffenheim wollte, konnte aber nicht mehr.

Der größte Aufreger sollte erst noch kommen. Eine viertel Stunde war in Halbzeit zwei gespielt, als Leverkusen nach einem Eckball das 0:2 erzielte. Torschütze: Stefan Kießling. Was ich von der anderen Seite des Stadions sofort gesehen habe, haben jegliche Offizielle vom DFB entweder nicht gesehen oder absichtlich ignoriert. Der Kopfball des letztjährigen Torschützenkönigs ging schätzungsweise 20-30 cm am linken Torpfosten vorbei ans Außennetz. Und obwohl die Leverkusenfans direkt jubelten, blieben die meisten Menschen um mich herum ruhig. Doch zu unserer aller Überraschung jubelten plötzlich auch die Leverkusener Spieler und der Schiedsrichter entschied auf Tor. Dem Schiedsrichter kann man in dieser einen Situation zu Gute halten, dass der Ball durch ein Loch im Tornetz von außen ins Tor gefallen war und er das von seiner Position nicht sehen konnte. Keine Entschuldigung haben allerdings der Linienrichter und der 4. Offizielle, die beide den gleichen bzw. einen ähnlichen Blickwinkel hatten wie ich. Wieder einmal stellt sich die Frage, warum man den Schiedsrichter nicht umgehend auf seinen Fehler hingewiesen hat. Das Phantomtor wurde also gegeben. Es folgte kurz darauf ein Abstoß für Hoffenheim. Diese Unterbrechung nutzten einige Feldspieler und sämtliche Auswechselspieler der TSG, um den Schiedsrichter auf das Loch im Netz hinzuweisen. In diesem Moment war ich mir sicher, dass Felix Brych das Tor zurück nimmt. Ob sowas von Seiten der Regeln nicht möglich ist oder ob Herr Brych das einfach nicht wollte. Fakt ist, das Tor zählte auch weiterhin.
Trotzdem versuchte Hoffenheim weiterhin alles, um sich ins Spiel zurück zu kämpfen. 10 Minuten vor Ende dann die letzte Fehlentscheidung des Unparteiischen. Firmino setzt sich über links durch, legt sich den Ball zu weit vor und wird danach sauber vom Ball getrennt. Trotzdem entscheidet Brych auf Strafstoß. Dass der Gefoulte dann am Torhüter, im Nachschuss am Pfosten und im 2. Nachschuss wieder am Pfosten scheitert, passte natürlich perfekt zum heutigen Abend.

Loch im Hoffenheimer Tornetz, (Quelle: Patrick Grimm)

Am Ende kam Hoffenheim durch Schipplock noch auf 1:2 heran. Für mehr reichte es aber nicht mehr. Ein insgesamt unverdienter Auswärtssieg von Bayer Leverkusen. Und nachdem Stadionsprecher Mike Diehl das Phantomtor auf der Leinwand zeigte, war das ganze Stadion mit Ausnahme der Leverkusen-Fans aufgebracht. Minutenlange Pfeifkonzerte gegen Schiedsrichter, DFB und Kießling waren die Folge. An der Stelle bin ich mir nicht sicher, ob das Zeigen der Bilder auf der Leinwand nicht auch negative Auswirkungen für die TSG haben könnte. Man hat damit absichtlich das Publikum angestachelt.

Die spannendste Frage am Ende dieses Abends bleibt aber natürlich: Wird das Spiel Hoffenheim gegen Leverkusen wiederholt? Beim bisher einzigen Phantomtor der Bundesligageschichte, erzielt von Thomas Helmer, wurde das damalige Spiel Nürnberg gegen Bayern neu angesetzt. Das wäre auch die einzig faire Lösung. Bis in der Richtung eine Entscheidung fällt, werden einige Tage vergehen.
Morgen kann man trotzdem gespannt die Zeitung aufschlagen und sich die Benotung der Unparteiischen ansehen. Alles andere als eine glatte 6 wäre aus meiner Sicht eine Fehleinschätzung.

3 Kommentare

  1. Robin Uhrig sagt:

    Fair wäre beim Stand von 1:0 in der Minute weiter zu spielen. Ich denke wenn kießlingw sagt dass er vorbei ging,gibt er ihn nicht. Du merkst als Fußballer ob das ding drin ist…brych zu unterstellen er wollte es nicht seh’n find ich dann aber etwas überzogen…und wie sagte Rudi Völler so schön? Wer für Do viel Geld n Stadion baut, sollte sich halt auch mal n paar gescheite Netze kaufen…

  2. Markus Dosch sagt:

    ich meine, wenn der Schiedsrichter das Tor gibt, dann ist es eine Tatsachenentscheidung, die nicht mehr rückgängig zu machen ist. Es ist Sache des Verbandes, dafür zu sorgen, dass Fussballtore ganze Netze haben und nicht solche mit Löchern darin für wichtige Spiele! Also meine Damen und Herren, finden Sie sich damit ab und trösten Sie sich mit einem netten Dinner zu zweit.
    Ciao Markus Dosch

  3. George sagt:

    Ich finde es eigentlich unfassbar, dass die Partie nicht wiederholt wurde. Ich meine wir reden hier von Millionen von Euros, die im großen Ganzen für die Vereine auf dem Spiel stehen? Sorry aber ich bin überzeugt, dass wäre zb Bayern oder Dortmund anstelle von Hoffenheim gewesen, das Spiel wiederholt worden wäre…

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