EM 2016

Fußball Europameisterschaft 2016 – das Turnier der Langeweile?

17.06.2016 Nicht erst seit dem gestrigen 0:0 unserer deutschen Nationalmannschaft habe ich das Gefühl, dass es der diesjährigen Europameisterschaft an Unterhaltsamkeit mangelt.

Unentschieden im Topspiel der Gruppe C

Mit einem 0:0 der einschläfernden Sorte verabschiedeten sich die beiden Topteams der Gruppe C, Deutschland und Polen, gestern Abend aus Paris. Einziger interessanter Effekt dieses Ergebnisses war, dass die Ukraine nach zwei Niederlagen und 0 Punkten somit als erste Mannschaft aus dem Turnier ausgeschieden ist. Deutschland führt die Gruppe aufgrund des besseren Torverhältnisses mit 4 Punkten vor den punktgleichen Polen an, Nordirland folgt mit 3 Punkten auf Platz 3.

Vor den entscheidenden Gruppenspielen kommenden Dienstag ist aus deutscher Sicht also noch alles möglich. Mit einem Sieg gegen Nordirland wäre man wahrscheinlich Gruppenerster. Mit einem Unentschieden hätte man zumindest den 2. Platz sicher. Verliert man allerdings das Duell gegen die Nordiren, so wäre theoretisch sogar das Aus in der Vorrunde möglich, sollte man nicht zu den vier besten Gruppendritten zählen.

Aus Zuschauersicht langweilige Spiele

Um das Auftreten unseres deutschen Teams möchte ich mich dann aber in einem anderen Artikel kümmern. Heute geht es mir erstmal um die Unterhaltsamkeit der Fußball-Europameisterschaft 2016. Und ich frage mich, ob es jemals ein uninteressanteres Turnier gegeben hat. Seit Turnierbeginn am 10. Juni habe ich nahezu jedes Spiel gesehen und es war keines dabei, das mich vom Hocker gehauen hat. Selbst im Vorfeld als Topspiel deklarierte Spiele wie Spanien – Tschechien, Portugal – Island, Belgien – Italien oder eben auch Deutschland – Polen waren aus Zuschauersicht einfach nur eine Enttäuschung. Wenige ansehnliche Spielzüge, nahezu keine schönen Alleingänge, daraus resultierend eine geringe Anzahl an Torchancen und noch weniger Tore. Ich kann jeden Zuschauer verstehen, der spätestens zur Halbzeit um- oder ausschaltet.

Neues im taktischen Bereich?

Sind die Spiele für Zuschauer nur wenig ansehnlich, so haben zumeist wenigstens die Fußball-Experten ihre Freude. Von einem taktisch geprägten Spiel oder von einem Spiel auf hohem taktischem Niveau wird dann oftmals gesprochen. Aber auch aus taktischer Sicht waren die bisherigen Spiele eine Enttäuschung. Auf dem Rasen spielte sich bisher fast immer das gleiche Schema ab. Der Favorit macht das Spiel und der Underdog verteidigt mit neun oder zehn Feldspielern am eigenen Strafraum. Eigentlich wollte ich jetzt noch schreiben, dass sich der Underdog auf Konter beschränkt. Aber leider hat sich bei einigen Underdogs auch bei der EM die Einstellung eingeschlichen, dass ein 0:0 das höchste der Gefühle ist. Fast so wie wenn Bremen oder Frankfurt zum Auswärtsspiel nach München reisen. An einen Sieg denkt man da leider nicht. Einziges Ziel ist die Schadensbegrenzung.

Sowohl in der Bundesliga als auch bei der Europameisterschaft kommt man damit aber von den eigentlichen Zielen eines Fußballers ab: Ein Fußballer möchte das Spiel gewinnen und dabei am liebsten auch noch die Zuschauer unterhalten. Davon ist in der heutigen Zeit leider zu oft zu wenig zu sehen.

Wo man hinschaut, Langeweile

Damit soll es aber auch schon wieder genug zur eintönigen Bundesliga sein. Der Fokus des Artikels sollte wirklich auf der EM liegen. Vielleicht bin ich in der Hinsicht auch einfach nur zu pessimistisch eingestellt. Aber beim bisherigen Verfolgen des Turniers kam bei mir keinerlei Spannung auf. Selbst ich, der sich als Fußball-Freak bezeichnet, habe schon Spiele weggeschaltet, weil sie unansehnlich waren. Hätte da gestern nicht unser deutsches Team gespielt, dann hätte ich mir wohl aller spätestens in der Halbzeit eine DVD reingelegt. Und so ging es mir auch schon bei diversen anderen Spielen, beispielsweise auch beim letzten Auftritt der Franzosen gegen Albanien.

Woran liegt es?

Aber warum ist das so? Bis vor kurzem war die Europameisterschaft eigentlich immer DAS Turnier mit der höchsten Qualität und mit den interessantesten Spielen. Also muss man sich überlegen, was sich dieses Jahr geändert hat. Und da wird man schnell fündig. Schuld daran ist meiner Meinung nach die Aufstockung auf 24 Teams. Ganze acht oder umgerechnet 50% mehr Mannschaften nehmen seit diesem Jahr an der EM-Endrunde teil. Das führte dazu, dass selbst Länder wie Albanien, Nordirland oder Schweden – und da könnte ich noch einige mehr aufzählen – am Turnier teilnehmen. Bei allem Respekt vor diesen Nationen. Aber aus fußballerischer Sicht haben sie bei einem Turnier, bei dem die Nummer 1 Europas gesucht wird, nichts verloren. Genau dafür wird im Vorfeld des eigentlichen Turniers eine Qualifikationsrunde gespielt.

Fakt ist also, dass zur Zeit in Frankreich viele sowohl vom Namen als auch von der Qualität her kleine Nationen mitspielen, deren einziges Ziel es ist, nicht von den etablierten Teams die Bude vollgehauen zu bekommen. Also stellt man sich tief hinten rein und macht die Räume so eng wie möglich. Weil es auch noch 24 Mannschaften sind, gibt es viele von diesen Spielen. Und da zusätzlich auch noch die vier besten Gruppendritten das Achtelfinale erreichen, wird es auch dann noch äußerst langweilige Spiele geben.

Ich hoffe, dass die Zuschauer nicht die Lust verlieren. Denn spätestens ab den Viertelfinals erhoffe ich mir echte Topspiele mit viel Spannung, Torszenen – Unterhaltung eben.

Seht ihr das ähnlich oder seid ihr ganz anderer Meinung?

Über den Autor

Christian Schätzle
Christian Schätzle

Christian Schätzle gründete den deutschen Fussball Blog "Der Fussball-Blogger" im Jahr 2007 und ist bis heute als Redakteur an Bord. Seit seinem fünften Lebensjahr steht der Fussball für den hauptberuflichen Webentwickler fast immer an erster Stelle in seinem Leben. Diese Leidenschaft versucht er auch in seinen Artikeln zu transportieren. 2013 ließ er sich von der Leidenschaft der Fans von Borussia Dortmund infizieren und unterstützt den Verein seitdem in guten wie in schlechten Zeiten. Schätzle selbst spielte bereits bei drei verschiedenen Fussball-Vereinen im Herrenbereich und war zudem zwei Jahre als Spielertrainer tätig. Zusätzlich zum aktiven Spielgeschehen unterstützt er ehrenamtlich die Vorstandsarbeit des FC Hirschhorn.

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1 Kommentar

  1. HY sagt:

    Den Nagel auf den Kopf getroffen!! Haupgrund ist meiner Meinung nach, dass der geldgierige UEFA-Haufen den Hals nicht voll kriegen kann und mit mehr Spielen mehr Kasse machen will. Diese Mauerei während der Spiele macht einfach keinen Spass. Spannend dürfte es erst werden, wenn sich das Feld etwas gelichtet hat.

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