EM 2016

Frankreich beendet deutsche Titelträume

08.07.2016 In einem für diese Europameisterschaft eher munteren Spiel besiegte die französische Nationalmannschaft das deutsche Team mit 2:0. Bester Mann auf dem Platz war dabei Antoine Griezmann, dem durch seine beiden Treffer wohl auch die Torjägerkanone nicht mehr zu nehmen sein wird.

Frankreich beginnt überfallartig

Die ersten 8 Minuten begannen die Franzosen äußerst offensiv. Man wollte den Schwung aus dem Island-Erfolg mitnehmen. Und hätte da nicht ein Manuel Neuer im deutschen Tor gestanden, so wäre diese Taktik womöglich sogar aufgegangen. Mit einer Glanzparade gegen eben jenen Griezmann verhinderte Neuer die frühe französische Führung. Die sonst so ballsichere deutsche Spielweise kam zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht zum Tragen.

Deutschland macht das Spiel

Ab der 9. Minute passierte dann aber genau das, was im Vorfeld der Partie zu erwarten war. Die französische Elf stellte sich tief in die eigene Hälfte, machte die gefährlichen Räume um den eigenen Strafraum dicht und überließ Deutschland das Spiel. Ein zwischenzeitliches Ballbesitzverhältnis von 80:20 für das deutsche Team war das Resultat. Und obwohl man sich des öfteren sowohl im Zentrum als auch über die Außen durch gelungene Passstafetten in aussichtsreiche Positionen bringen konnte, fehlte immer wieder der letzte entscheidende Schritt. Defensiv stand man absolut sicher. Die durchaus gefährlichen französischen Konter wurden spätestens vom überragenden Boateng unterbunden. Auch Höwedes machte seinen defensiven Part sehr gut. Gefühlt war die deutsche Elf also klar am Drücker und es schien nur eine Frage der Zeit, bis sich die Bemühungen endlich auszahlen sollten.

Schweinsteiger mit spielentscheidendem Fehler

Dann war eigentlich Halbzeit. Eine eher harmlose französische Flanke klärte Jonas Hector unnötigerweise zum Eckball. Eigentlich kein Problem, da es in der deutschen Elf genügend kopfballstarke Spieler gibt. Griezmann schlägt die Ecke auf Patrice Evra, von dem ich nicht weiß, ob er in seiner Profi-Karriere überhaupt schon einmal ein Kopfballtor erzielt hat. Dazu war seine Position suboptimal. Es bestand also – wenn überhaupt – nur eine minimale Gefahr für das deutsche Tor. Und trotzdem fühlte sich Bastian Schweinsteiger genötigt, mit allem was er hat in den Luftkampf mit Evra zu gehen. Da er zu weit weg stand, konnte er diesen Kampf nur durch Einsetzen seiner Hand gewinnen. Nicola Rizzoli, der italienische Schiedsrichter, der bereits im WM-Finale 2014 gegen Argentinien und auch jetzt im Spiel gegen die Franzosen offensichtlich jegliche Grenzen ausreizte, um gegen die deutsche Mannschaft zu pfeifen, überlegte kurz und entschied dann – in dieser Situation korrekt – auf Elfmeter. Antoine Griezmann verwandelte zum 1:0 für die EM-Gastgeber.

Kein Gomez, keine Durchschlagskraft

Diesen Schock musste das deutsche Team erst einmal verdauen. Das merkte man der Elf in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit an. Es dauerte jedoch nicht lange, ehe man wieder im Ballbesitzmodus war, den das deutsche Team über nahezu die komplette Europameisterschaft auszeichnete. Einziges Problem: Nach der Verletzung von Mario Gomez gab es keinen Stürmer mehr im deutschen Team. Da sich Thomas Müller im Formtief befand, war kein Spieler auf dem Platz, von dem Torgefahr hätte ausgehen können. Ballbesitz: Ja, herausgespielte Torchancen: Nein. Ohne den in den vorangegangenen Spielen überragenden Gomez fehlte der deutschen Elf nahezu jegliche Durchschlagskraft. Es war also klar, dass Löw von außen noch etwas ändern musste, um mindestens ein Tor erzielen zu können. Dass in der Zwischenzeit Boateng verletzt ausgewechselt werden musste, war nicht mehr spielentscheidend. Zwar räumte er in der Defensive alles ab. Seine offensichtlichen Diagonalpässe auf Jonas Hector waren gegen die Franzosen am gestrigen Abend aber nicht das richtige Mittel.

Götze absolut enttäuschend

Entscheidend hätte aber die Hereinnahme von Mario Götze sein können. Selbst ich als bekennender Kritiker des Jungen war Mitte der zweiten Halbzeit für seine Einwechslung, weil die deutsche Bank einfach keine anderen Alternativen hergab. Und ich hatte schon die Hoffnung, dass er zusammen mit Thomas Müller endlich in die Räume geht, die den Franzosen weh tun. Götze kam in der 67. Minute für den alles in allem guten Emre Can. Das nächste, was ich dann von Götze gesehen habe, war ein Querpass auf Höhe der Mittellinie in der Nachspielzeit. Ich habe mir seine Werte jetzt absichtlich nicht angeschaut. Aber viele Ballkontakte hatte er sicher nicht. Und unser Spiel in eine andere Richtung bewegt hat er leider auch nicht. Ohne zu hart mit ihm ins Gericht gehen zu wollen. Aber Mario Götze hat in dieser Verfassung bei der deutschen Nationalmannschaft nichts verloren. Er sollte sich jetzt einen neuen Verein suchen, bei dem er Stammspieler werden kann. Bleibt er dann auch noch von Verletzungen verschont, kann er sein Top-Niveau von 2012 vielleicht wieder erreichen. Erst so wäre er für mich wieder ein Kandidat für die Nationalelf.

Taktik der Franzosen voll aufgegangen

Die Franzosen, die auch in der zweiten Spielhälfte größtenteils am eigenen Sechzehner verteidigten, wussten genau um ihre Stärke. Wenn sie hinten sicher stehen, gewinnen sie dieses Spiel aufgrund ihrer starken Offensive. Auch wenn das 2:0 in der 72. Minute, erneut durch Griezmann, ein Geschenk der deutschen Hintermannschaft war. Die Taktik ging voll und ganz auf. Neben der fehlenden Durchschlagskraft auf deutscher Seite war sicher auch ein wenig Pech mit ihm Spiel, wenn ich da beispielsweise an den Weitschuss von Joshua Kimmich denke, der den Außenpfosten traf. Das Spiel hätte aber auch noch zwei Stunden länger gehen können. Wenn wir überhaupt ein Tor geschafft hätten, hätten die Franzosen in der Zeit mindestens doppelt so viele erzielt.

Jetzt noch das Trikot sichern

Es sollte einfach nicht sein. Alles in allem kann man unserer Mannschaft aber überhaupt keinen Vorwurf machen. Sie hat alles gegeben. Aus deutscher Sicht entscheidend für die Niederlage gegen Frankreich war meiner Meinung nach das Viertelfinale gegen Italien. Das Weiterkommen dort war mit den Ausfällen von Hummels, Khedira und vor allem aber Gomez einfach zu teuer erkauft. Spielentscheidend war nicht der schwache Schiedsrichter. Das soll an dieser Stelle auch einmal gesagt sein.

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Im nächsten Artikel möchte ich einen Blick auf die Zukunft der Nationalmannschaft werfen. Was muss sich ändern? Was kann genau so bleiben? Wer muss gehen? Wem gehört die Zukunft? Fragen über Fragen rund um die Mannschaft.

Wie habt ihr das Spiel gesehen? Seid ihr meiner Meinung?

Über den Autor

Christian Schätzle
Christian Schätzle

Christian Schätzle gründete den deutschen Fussball Blog "Der Fussball-Blogger" im Jahr 2007 und ist bis heute als Redakteur an Bord. Seit seinem fünften Lebensjahr steht der Fussball für den hauptberuflichen Webentwickler fast immer an erster Stelle in seinem Leben. Diese Leidenschaft versucht er auch in seinen Artikeln zu transportieren. 2013 ließ er sich von der Leidenschaft der Fans von Borussia Dortmund infizieren und unterstützt den Verein seitdem in guten wie in schlechten Zeiten. Schätzle selbst spielte bereits bei drei verschiedenen Fussball-Vereinen im Herrenbereich und war zudem zwei Jahre als Spielertrainer tätig. Zusätzlich zum aktiven Spielgeschehen unterstützt er ehrenamtlich die Vorstandsarbeit des FC Hirschhorn.

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