Weg damit!

Dieser beschissene Videobeweis

06.06.2020 Dass unser ehemals liebstes Hobby seit einigen Jahren am Tropf hängt, hat viele Ursachen. Manche davon haben mehr Gewicht, andere weniger. Der Videobeweis ist dabei für mich ein Punkt, der sehr viel dazu beiträgt. Ursprünglich wurde er installiert, um uns vor gravierenden Fehlentscheidungen (Der Ball fliegt von außen durchs kaputte Netz ins Tor; Tor durch absichtliches Handspiel) zu schützen. Derlei Fehlentscheidungen passierten alle paar Jahre mal wieder und konnten sicherlich in letzter Konsequenz auch über Abstieg oder Meisterschaft entscheiden. Natürlich will ich das nicht gut heißen. Aber es gehörte halt zu dieser schönen Sportart dazu.

In der Umsetzung mit dem Videobeweis sieht es nun aber so aus, dass die Verantwortlichen unfähig sind, gravierende Fehlentscheidungen zu erkennen. Wie oft sich der Kölner Keller eingemischt hat, ohne dass es sich um eine gravierende Fehlentscheidung gehalten hat, kann ich gar nicht sagen. Aber es passiert nahezu an jedem Bundesligaspieltag. Grundsätzlich regelkonforme Tore – und dabei geht es uns bei diesem Spiel – werden aus Witzgründen zurück gepfiffen. So zum Beispiel gerade eben wieder beim Spiel zwischen Düsseldorf und Hoffenheim. Der Düsseldorfer Treffer zum 2:1 wurde von Schiedsrichter Sören Stork zunächst gegeben. Die übliche Kontrolle eines jeden Tores ergab dann aber einen überharten Zweikampf direkt vor dem Tor. Bereits im Live-Bild ist zu erkennen, dass der Düsseldorfer Angreifer in dieser Situation einfach das besseres Stellungsspiel und mehr Durchsetzungskraft hat. Auch nach mehrmaliger Ansicht der Wiederholung ist dort kein Foul zu erkennen und somit besteht keinerlei Grund von einer Fehlentscheidung des Schiedsrichters zu sprechen. Das Tor hätte nicht zurück genommen werden dürfen. Düsseldorf wurde im Kampf gegen den Abstieg ein Tor geklaut.

Und das ist ja nicht das einzige Problem. Wenn man schon dieses Hilfsmittel hat, darf es überhaupt keine gravierenden Fehlentscheidungen mehr geben. Aber weit gefehlt! Auch hier gibt es fast an jedem Spieltag mindestens zweifelhafte Entscheidungen. Auch hier möchte ich als Beispiel das bereits oben erwähnte Spiel bringen. Ich bin sicher kein Hoffenheim-Fan. Aber eine rote Karte war das für Hübner sicher nicht. Bei einem üblichen Gerangel vor Standard-Situationen will er sich von seinem Gegenspieler befreien und trifft diesen unglücklich mit dem Arm am Kopf. In genau einer Kameraeinstellung könnte man meinen, es sei der absichtliche Ellenbogen gewesen. Genau der Ellenbogen war auch Sören Storks Grund für die rote Karte. Alle anderen Wiederholungen zeigen dann aber, wie die Situation wirklich abgelaufen ist. Weder Absicht, noch Ellenbogen waren im Spiel. Zudem nimmt Düsseldorfs Ayhan dankend an und lässt sich auffällig zu Boden fallen. In England hätten sie darüber gelacht. Eine gelbe Karte für Hübner und nicht mehr. Und es wäre die Aufgabe des Videoschiedsrichters gewesen, diese rote Karte zurück zu nehmen.

Zuletzt möchte ich noch auf die ungleiche Handhabung eingehen. Das Hilfsmittel macht nur dann Sinn, wenn vergleichbare Situationen auch immer gleich entschieden werden. Bei gravierenden Fehlentscheidungen ist das übrigens auch kein Problem. Da sind wir aber wieder beim ersten Problem. Da selbst nach Jahren des Einsatzes immer noch Witz-Situationen überprüft werden, ist es ganz logisch, dass die Entscheidungen divergieren. Auch hier finden wir an jedem Wochenende Beispiele. Aus meiner Sicht als Dortmund-Fan möchte ich aber zu gerne das Handspiel von Boateng als Referenz nehmen. Das sichere 1:1 im Bundesliga-Topspiel verhinderte er, indem er sich unter Einsatz seines vom Körper abgespreizten Ellenbogens in die Flugbahn des Balles warf (Nebenbei erwähnt: Mit einer voll besetzten Südtribüne direkt dahinter hätte der Schiedsrichter auf Elfmeter entschieden). Ob diese Situation überhaupt überprüft wurde, kann ich nicht mit Gewissheit sagen. Sicher ist jedoch, dass das ein Elfmeter war, weil Boateng seinen Ellenbogen wissentlich vom Körper abgespreizt und dadurch ein Tor verhindert hat. Und an alle diejenigen, die mir da widersprechen, die der Meinung sind, das wäre zu sehr durch die BVB-Brille gesehen: Wieso gab es dann bereits einen Spieltag später in einer vergleichbaren Situation Elfmeter?

Ich könnte noch weitere Gründe bringen, warum der Videobeweis einfach nicht das bringt, was wir uns vorher davon versprochen hatten. Aber wie man es auch dreht und wendet. Es ist immer noch so und wird auch in Zukunft so bleiben, dass dieses technische Hilfsmittel den Fußball mehr kaputt macht, als dass es ihm weiter hilft.

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