WM 2018 in Russland

Der Weltmeister ist nicht in Form

10.06.2018 Kommenden Donnerstag beginnt die Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Nach den beiden letzten WM-Vorbereitungsspielen gegen Österreich und Saudi-Arabien und kurz vor Beginn des Turniers möchte ich einen genaueren Blick auf den Zustand unserer deutschen Nationalmannschaft werfen.

War ich in den letzten 10 Jahren jeweils vor den Turnieren stets sehr optimistisch, was das Abschneiden unserer Mannschaft angeht, so ist das in diesem Jahr leider nicht der Fall. Nicht etwa die Niederlage gegen Österreich macht mir dabei Sorgen. Denn der Leistungsabfall in der zweiten Halbzeit war inmitten einer kräftezehrenden WM-Vorbereitung nachvollziehbar. Zudem verzichtete Jogi Löw in diesem Spiel auf einige Leistungsträger und wechselte mit Beginn der zweiten Hälfte munter durch. Spielfluss konnte so nicht wirklich zustande kommen.

Der Bruch im Spiel nach dem 1:0

Was mir aber Sorgen bereitet, ist das Auftreten der Mannschaft im letzten WM-Test vergangenen Freitag gegen Saudi-Arabien in Leverkusen. Wir haben es in den letzten Jahren ja oft genug gesehen, dass sich kleine Nationen gegen die DFB-Elf hinten reinstellen und mit Mann und Maus verteidigen. So ähnlich hatte ich das auch in diesem Spiel gegen die Nummer 67 der FIFA Weltrangliste erwartet. Zumindest die ersten Minuten deuteten auch darauf hin. Erwartungsgemäß erzielte Timo Werner noch innerhalb der ersten 10 Minuten das 1:0 und man hatte die Hoffnung, dass die deutsche Offensiv-Maschinerie weiter in diesem Takt auf Tore-Jagt geht.

Doch es kam ganz anders. Das 1:0 war wie ein Bruch im deutschen Spiel. Die Mannschaft lies fortan jegliche Zielstrebigkeit vermissen. Haarsträubende Fehlpässe sorgten zum einen dafür, dass kein Spielfluss zustande kam, und zum anderen baute man die Saudis damit auf, ja brachte sie sogar zurück ins Spiel. Immer wieder zeigten sie freche Gegenstöße. Lediglich der fehlenden Qualität der saudi-arabischen Offensivspieler war es zu verdanken, dass diese nicht noch gefährlicher endeten. Und bei den vereinzelten Abschlüssen der deutschen Elf kam dann auch noch Aluminium-Pech hinzu.

Jogis Startelf enttäuscht

Pech hatten auch die Saudis kurz vor der Halbzeit, als Othman eine flache Hereingabe zum 2:0 für Deutschland ins eigene Tor beförderte.  Auch das brachte dem deutschen Spiel aber nicht mehr Sicherheit. Es war einfach keine mannschaftliche Geschlossenheit zu erkennen. Und das obwohl wir am Freitag wahrscheinlich Jogis Startelf für das erste Vorrundenspiel gegen Mexiko gesehen haben. Ob Mesut Özil rechtzeitig fit wird und ob er nach den Leistungen der vergangen Wochen überhaupt für die Startelf in Frage käme, sei mal dahingestellt. Sollte Löw seinen Lieblings-10er bringen, müsste wohl Julian Draxler weichen. Alle anderen Positionen stehen – oder standen zumindest vor dem Auftritt gegen Saudi-Arabien – fest. Auch weil die Jungs dahinter überhaupt keinen Druck ausüben.

Fehlende mannschaftliche Geschlossenheit ist ein großes Problem, das ich im Vorfeld eines großen Turniers bei einer deutschen Elf in der Art schon sehr lange nicht mehr gesehen habe. Mir scheint es als ob das Team einfach nicht gut zusammengestellt sei. Und dabei war das geschlossene Auftreten auf und neben dem Platz immer die große Stärke der deutschen Nationalmannschaft. Mit eine Rolle dürfte die Werbe-Aktion von Özil und Gündogan für Erdogan gespielt haben und noch immer spielen. Völlig falsch hat sich der DFB in dieser Angelegenheit verhalten. Die beiden aus der Nationalmannschaft auszuschließen, wäre die richtige Entscheidung gewesen. Auch um sich schnell wieder auf das eigentliche Ziel „Weltmeisterschaft“ konzentrieren zu können. Man kann jetzt nur hoffen, dass das Thema in Russland keine große Rolle mehr spielt. Wenigstens kann ich mir nicht vorstellen, dass Fans unserer Mannschaft dorthin reisen, um die beiden in den Spielen auszupfeifen. Da zählt dann doch eher die Unterstützung unserer Elf.

Turniermannschaft Deutschland

In Russland wartet meiner Meinung nach die schwierigste Vorrundengruppe auf uns. Sicher müsste sich Deutschland in Topform als Gruppensieger durchsetzen. Wie weit wir jedoch von dieser Topform entfernt sind, hat das Spiel am Freitag gezeigt. Und dann warten da mit Mexiko, Schweden und auch Südkorea Gegner, die weitaus mehr Qualität vorweisen können als Saudi-Arabien. Gegner, welche haarsträubende Fehlpässe im Spielaufbau direkt mit Gegentoren bestrafen. Gegner, die gegen den amtierenden Weltmeister mal so gar nichts zu verlieren haben. Ein vorzeitiges Ausscheiden in der Vorrunde wäre für mich, erst recht nach diesem Auftritt, gar nicht mal so abwegig.

Und wenn selbst Spieler schon mit dem Spruch kommen, dass Deutschland eine Turniermannschaft sei, ja spätestens dann sollten bei allen die Alarmglocken schrillen. Grundsätzlich stimmt das zwar. Die DFB-Elf war bei Turnieren meist stärker, als sie von Experten vorher eingeschätzt wurde. Das schaffte man aber nicht durch reden oder den puren Glauben daran. Das gelang durch harte Arbeit, Ehrgeiz und Bodenständigkeit. Weil ich den Ehrgeiz, den Herzenswunsch noch einmal Weltmeister zu werden, in den Auftritten unserer Mannschaft in den vergangenen Monaten nicht erkennen konnte, ist für mich auch vorstellbar, dass man nicht ausreichend hart gearbeitet hat.

Oder seht ihr aktuell im deutschen Team Spieler, die sich wie Bastian Schweinsteiger im WM-Finale 2014 für den Erfolg aufopfern würden?

Sicher ist eines: Wenn der vergangene Freitag der aktuelle Leistungsstand unserer Mannschaft war, dann sehe ich für die WM schwarz. Denn so große Defizite sind innerhalb von nur einer Woche nicht mehr aufzuholen. Bleibt zu hoffen, dass ich mich täusche. Falls jedoch nicht, wäre es an der Zeit, durch den Wechsel des Trainer-Teams neue Anreize zu schaffen.

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