Internationale Nachrichten

Defensivfußball, Netzer/Delling und Vuvuzelas

Die WM 2010 in Südafrika läuft nun bereits seit 1,5 Wochen, zwei Drittel der Gruppenphase sind vorüber und England steht kurz vor dem Aus. Für mich genau der richtige Zeitpunkt, meinen ersten Artikel über die WM zu schreiben. Der Artikel soll gleichzeitig mein Empfinden gegenüber der WM abbilden. Wundert euch also nicht, wenn einige Punkte doch sehr negativ rüberkommen. Von den bisherigen Spielen habe ich fast alle zumindest teilweise verfolgt und möchte nun drei Punkte ansprechen, die mich besonders nerven.

Da mich dieser Punkt noch am geringsten nervt, beginne ich mit dem ARD-Duo Netzer/Delling. Ich frage mich, warum die ARD auf die bisherigen Kritiken bei früheren Turnieren nicht reagiert hat. Denn diese waren durchweg negativ. Vor allem die Art, wie Netzer und Delling versuchen, lustig zu sein, indem sie sich gegenseitig runter machen. Darüber lachen können wahrscheinlich nur die beiden selbst…Gut, dass der Vertrag von Netzer 2011 ausläuft! Wie man den Fernsehzuschauern gleichzeitig enormes Fußball-Wissen rüber bringt und dabei trotzdem natürlich bleibt, kann sich die ARD bei RTL abschauen. Jürgen Klopp und Günther Jauch machen das sehr unterhaltsam.

Aber auch sportlich verspricht die WM in Südafrika nicht das, was viele vorher erwartet hatten. Statt schönem Angriffsfußball und vieler Tore gibt es nur Langeweile und schlechte Schiedsrichter-Leistungen. Man muss nicht lange überlegen, um auf die Gründe dafür zu kommen. Die teilnehmenden Teams  – oder ich spreche lieber von den Verbänden der jeweiligen Teams – wollen Erfolg haben. Jetzt hat man leider in der Vergangenheit gesehen, dass „schwache“ Teams durchaus bessere Chancen haben, wenn sie sich komplett defensiv verhalten. Damit diese Teams ein Spiel gewinnen, müssen sie eine der wenigen sich bietenden Konterchancen nutzen. Man steht mit 9-10 Feldspielern um den eigenen Strafraum und gibt dem Gegner dadurch so gut wie keine Freiräume. Damit die Teams diese Taktik auch über 90 Minuten umsetzen und die nötige Kondition vorhanden ist, greift man oft und vor allem bei den afrikanischen Mannschaften auf alt bewährte europäische Trainer zurück, da diese sowohl taktisch als auch konditionell am besten geschult sind und die meiste Erfahrung haben.

Zum Fußball gehören ja bekanntlich aber immer zwei Mannschaften. Spielt die eine Mannschaft sehr defensiv, so könnte der Zuschauer erwarten, dass die andere Mannschaft sehr offensiv spielt. Das Problem ist leider, dass gerade die „großen“ Mannschaften aus Europa aber ebenfalls eher defensiv eingestellt sind. Das neue bevorzugte System ist dabei das 4-2-3-1, welches leider auch von Deutschland gespielt wird. Es ermöglicht ein schnelles Umschalten zwischen Defensive und Offensive. In meinen Augen ist es aber absolut sinnlos, mit diesem System gegen eine defensive Mauer zu spielen. Als Mittelfeldspieler hat man in der Spitze nur eine Anspielstation. Und diese ist meist doppelt gedeckt, da sich zwei Innenverteidiger auf den einzelnen Stürmer konzentrieren können. Somit entsteht das langweilige Spiel 30 Meter vor dem gegnerischen Tor. Der Ball wird immer wieder nach rechts, links oder hinten gespielt. Nur nach vorne kann er so gut wie nie gespielt werden. Nur mit Einzelaktionen kann die gegnerische Mauer durchbrochen werden. Am besten sieht man das bei den Argentiniern. Messi oder Tevez spielen fast immer ihre Gegenspieler aus und können so mit Tempo aufs Tor zulaufen. Auch Özil und Müller haben das im ersten Spiel gegen Australien sehr gut gemacht. Den Engländern und auch den Italienern fehlt ein solcher Spieler. Dadurch können sie sich nur wenige Torchancen erarbeiten und müssen auf Standardsituationen hoffen. Wenn man alles zusammen nimmt, ist es also nicht mehr verwunderlich, warum hauptsächlich die Südamerikaner einen attraktiven und gleichzeitig erfolgreichen Fußball spielen. Abgesehen von Brasilien wird der Fußball dort immer noch eher offensiv als defensiv gespielt. Den Zuschauern gefällt es, wie Paraguay, Chile und natürlich Argentinien auf die Tore heiß sind.

Was mich persönlich am meisten aufregt, sind aber die Vuvuzelas. Und ich unterstütze jeden Verein und Verband, der diese Teile in seinem Stadion bzw. in seinem Land verbietet. FIFA 2010 SüdafrikaEs ist weder so, dass die Vuvuzelas die komplette Fan-Kultur der Afrikaner ausmachen, noch ist es so, dass in den Stadion nur die Afrikaner welche nutzen. Vielmehr sind es genau so viele WM-Touristen aus anderen Ländern, die sich Vuvuzelas kaufen und diese dann im Stadion nutzen. Mal abgesehen davon, dass es im Fernsehen ein ohrenbetäubender immer gleich klingender Ton ist, gehen durch die Vuvuzelas leider so gut wie alle Fan-Gesänge unter. Gerade die Fan-Gesänge machen die unterschiedlichen Kulturen aus und sie gehören zum Fußball genau so dazu wie die 22 Spieler und der Schiedsrichter auf dem Platz! Meine Ohren haben gelacht, als sie die Deutschland-Rufe beim Spiel gegen Serbien gehört haben. Es Bleibt nur zu hoffen, dass man die Vuvuzelas doch noch irgendwann im Stadion verbietet…

 

1 Kommentar

  1. sohbet sagt:

    Aber ich glaube nicht, dass diese Leistung für die kommenden Spiele ausreicht…
    Im Angriff muss eindeutig mehr umgesetzt werden. Mit reinen Chancen kann man kein Turnier gewinnen. Der Aufbau sieht im Mittelfeld noch ganz gut aus, aber an der Spitze verliert man dann zu oft den Ball, was es dann widerum schwierig gestaltet in der Abwehr den direkten Konter abzufangen.

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