Fußball in Asien

Bedroht die Chinese Super League den europäischen Fußball?

Bildquelle: By Lovedimpy (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

07.01.2017 In den letzten Jahren ging man - zumindest innerhalb des europäischen Fußballs - davon aus, dass die in der englischen Premier League vorhandenen Gelder aus den TV-Deals die größte Gefahr für unseren Fußball darstellen. Ungeachtet dessen finden gleichzeitig in immer auffälligerem Maße Transfers großer Namen in die Chinese Super League statt.

Als Didier Drogba 2012 zu Shanghai Shenhua wechselte und aufgrund nicht ausgezahlter Gehälter bereits nach einem halben Jahr dort wieder seine Sachen packte, warf das nicht gerade ein seriöses Bild auf die Arbeit im chinesichen Fußball. Trotzdem folgten ihm in den Jahren darauf Bundesligastars wie Lucas Barios, Zvjezdan Misimovic, Demba Ba oder Renato Augusto. Befand sich Chelseas Drogba, einer der besten Stürmer aller Zeiten, damals bereits im Winter seiner Karriere, so konnte man das von Lucas Barios, Renato Augusto – beide wechselten im Alter von 27 Jahren – und auch von Demba Ba, der mit 29 Jahren wechselte, schon nicht mehr behaupten. Teilweise im besten Fußballalter gingen sie diesen Schritt.

Sogar europäische Topspieler und Spieler von ehemaligem Weltklasseformat wechselten immer öfter in Richtung China. Hier sind Namen zu nennen wie Paulinho, der Fußball-Deutschland spätestens seit der WM 2014 in Brasilien bekannt sein dürfte. Paulinho wechselte für 14 Millionen von den Tottenham Hotspur zu Guangzhou Evergrande. Der vom AS Rom bekannte Gervinho wechselte im Alter von 28 Jahren für 18 Millionen zu Hebei China Fortune, Chelseas Ramires im gleichen Alter für 28 Millionen Euro zu JS Sunsing. Topstürmer wie Nicolas Anelka oder Jackson Martinez suchten ebenfalls ihren Erfolg in der Chinese Super League. Letzterer wechselte mit 29 Jahren für 42 Millionen von Atlético Madrid zu Guangzhou Evergrande.

Jahresgehälter von mehreren 100 Millionen Euro

Rein von der Abslösesumme her war der bisherige Top-Transfer der Brasilianer Alex Teixeira, der im Sommer 2016 für 50 Millionen Euro von Schachtjor Donezk zu JS Suning wechselte. Dieser Transfer wurde jetzt aber noch einmal weit übertroffen. Mit gerade einmal 25 Jahren wechselte in diesem Winter der brasilianische Mittelfeldspieler Oscar für 60 Millionen Euro von Chelsea London zu Schanghai IPG und wird dort mehr als 20 Millionen Euro an jährlichem Gehalt kassieren. Zur gleichen Zeit wechselt der ehemalige argentinische Weltklassestürmer Carlos Tévez (32) von den Boca Juniors zu Shanghai Shenhua. Zwar betrug hier die Ablösesumme nur – gemessen an seinem Alter aber immer noch viel zu hohe – 11 Millionen. Nennenswert sind aber seine 33 Millionen Jahrsgehalt, was in etwa 100.000€ am Tag entspricht. Auch für Cristiano Ronaldo ging ein offizielles Angebot bei Real Madrid ein. Bei einer Ablösesumme von 300 Millionen Euro sollte der Portugiese über 100 Millionen Euro im Jahr verdienen. Und ob an dem 150 Millionen-Angebot für Pierre-Emerick Aubameyang etwas dran ist, kann man als Außenstehender Stand heute nicht beurteilen.

Aber nicht nur auf Spielerseite landet die Chinese Super League große Coups. Marcello Lippi, der in Italien Teams wie Juventus Turin oder Inter Mailand trainierte und der die Squadra Azzurra, die italienische Fußballnationalmannschaft, 2006 zum Weltmeister machte, war von 2012 bis 2014 Trainer von Guangzhou Evergrande. Sein Nachfolger war dann einer seiner Schüler. Der ehemalige Weltfußballer Fabio Cannavaro trainierte den gleichen Verein von 2014 bis 2015. Und seit 2015 arbeitet dort ein nicht minder bekannter Trainer: Luiz Felipe Scolari. Gerüchten zu Folge soll die Chinese Super League sogar an Europas Top-Schiedsrichter Mark Clattenburg interessiert sein. Der Engländer leitete im letzten Jahr die Finals von FA Cup, Champions League und Europameisterschaft und hat in Interviews bereits angedeutet, dass er bei einem offiziellen Angebot sicherlich nicht komplett abgeneigt wäre.

Ist die Chinese Super League noch zu stoppen?

Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Funktionäre…Die Kreise, die die chinesische Liga zieht, werden also immer größer. Meiner Meinung nach geschieht dort Vergleichbares wie in England. Mit dem Unterschied, dass es hier nahezu niemanden interessiert. Es scheint dort mindestens genauso viel Geld vorhanden zu sein wie in der Premier League. Allerdings ist die Chinese Super League erst am Anfang. Zwar greift mit Beginn der im März startenden Saison die neue 3+1-Regel (bislang 4+1), welche vorsieht, dass pro Team maximal drei Ausländer plus ein Legionär mit asiatischem Pass gleichzeitig auf dem Platz stehen dürfen. Um des Geldes Willen werden solche Regeln heutzutage aber schnell wieder rückgängig gemacht oder sogar noch weiter gelockert. Und wenn irgendwann noch mehr Stars den Weg nach China suchen, wird der europäische Fußball derjenige sein, der am meisten darunter zu leiden hat. Damit meine ich nicht nur Vereine, Spieler und Verbände, sondern auch uns Zuschauer. Es könnte passieren, dass Topstars künftig vermehrt in einem Land spielen, welches uns in Sachen Zeitzone 6-7 Stunden voraus ist. Es wird nur wenige Europäer geben, die sich die Chinese Super League live ansehen können, weil sie da gerade arbeiten müssen.

Auf den Erfolgshunger der Spieler darf man dabei nicht allzu viel geben. Noch sind die europäischen Topligen aus Spanien, England, Deutschland und Italien das Nonplusultra im weltweiten Fußball. Nichts geht aktuell über Titel in diesen Ligen und allen voran den Sieg in der Champions League. Doch es gibt heute schon nur etwas mehr als eine Hand voll Teams, die realistische Chancen auf diese Titel haben. Für uns Zuschauer bedeutet das abgesehen von der englischen Premier League und mit Abstrichen der spanischen Primera Division Langeweile. Die Meisterschaftskandidaten der jeweiligen Liga stehen bereits zu Saisonbeginn fest, den jeweiligen Meister kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen, so auch den Sieger der Champions League. In diesen wenigen Teams gibt es nur Platz für wenige Spieler. Wenige Spieler, die realistische Chancen auf die Titel haben, die heutzutage bei uns etwas wert sind.

Lieber Titel oder doch eher das Geld?

Bei dieser These setzte ich übrigens voraus, dass das höchste Ziel eines Fußballprofis der Gewinn von Titeln ist. Dass diese Annahme mehr als blauäugig ist, dürfte aber jedem von euch klar sein. Klar möchte ein Fußballprofi gerne bei einem großen Verein spielen und Titel sammeln. Noch wichtiger ist allerdings der Betrag, der am Ende des Monats oder am Ende der Karriere auf der Habenseite steht. Nicht zu vernachlässigen sind dabei die Agenturen der Spieler. Spieleragenturen sorgen dafür, dass es dem Spieler an nichts fehlt, unterstützen ihn in allen Bereichen und wickeln in den meisten Fällen auch dessen Transfers ab. All das um an Transfers mitzuverdienen und am Ende dadurch fürstlich entlohnt zu werden. Wenn weiterhin so umwerfende Angebote aus der Chinese Super League eintreffen, werden immer mehr Spieler und deren Berater schwach werden und nach Asien wechseln. Mittelfristig könnte die Super League mit immer mehr Topstars an Einfluss – auch im weltweiten Fußball – gewinnen.

Wie seht ihr das? Sehe ich das alles zu schwarz oder könnte die Chinese Super League wirklich eine ernsthafte Bedrohung für den europäischen Fußball werden?

1 Kommentar

  1. Jens sagt:

    Erstmal großes Lob, toller Artikel!

    Die Super League in China stellt erstmal keine Gefahr da. Ich glaube die Spieler werden geholt um die Liga in China attraktiver zu machen, nicht um Europa Konkurrenz zu machen.

    Außerdem gibt es ja auch dort Beschränkungen, was die Anzahl der ausländischen Spieler angeht.

    Der chinesische Staat diskutiert zudem ja auch über eine Begrenzung der Gehälter, dadurch werden wohl dann auch weniger Spieler dort hin wechseln.

    Ich glaube es gibt nur einen Grund dort hinzu wechseln und das ist wie du schon richtig sagst, das Geld. Wenn Spieler nur für Geld wechseln, dann sind Sie entweder schon älter oder haben die falsche Zielsetzung. Spieler mit falscher Zielsetzung werden wohl nicht immer gute und konstante Leistungen bringen. Das ist zumindest meine Meinung.

    Die großen Summen die an Ablöse und Gehalt gezahlt werden, zeigen ja auch was nötig ist, um Spieler überhaupt dort hinzubekommen. Die Spieler sagen ja nicht: Oh, toll! In China wollte ich immer schon spiele. Mein Traum wird endlich wahr.

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