Kolumne

Bundesliga-Facts zum 19. Spieltag 2016/2017

07.02.2017 Der 19. Spieltag der Fußball-Bundesliga hat leider nicht im erhofften Maße durch sportliche Dinge auf sich aufmerksam gemacht, sondern durch dumme Aktionen von BVB-Fans und der FIFA.

BVB-Fans zeigen puren Hass statt echter Liebe

Im Spitzenspiel zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig sollte eigentlich der sportliche Kampf um Tabellenplatz zwei im Vordergrund stehen. Der BVB nutzte mit dem völlig verdienen 1:0-Heimsieg zwar die letzte Chance, um die Leipziger vielleicht doch noch einholen zu können. Im Vordergrund stand nach Abpfiff allerdings weniger das sportliche Ereignis.

Mit mehr als 50 über die komplette Südtribübe verteilten Plakaten zeigte man in erster Linie RB Leipzig und seinen Fans, was man vom rasanten Aufstieg bedingt durch die Unterstützung von Getränkehersteller Red Bull hält. Darunter waren auch übelste und inakzeptable Beleidigungen, beispielsweise gegen Ralf Rangnick. Dass dieses Bild der Südtribüne spätestens am nächsten Tag auch durch die Medien gehen würde, war den Verantwortlichen natürlich klar und bewusst provoziert. Desweiteren wurden vor, während und nach dem Spiel sogar Familien mit Frauen und Kindern, die offensichtlich als RB-Anhänger erkennbar waren, von BVB-Chaoten angegriffen.

Natürlich ist mir durchaus bewusst, dass man hier nicht verallgemeinern sollte. Nicht alle – oder wahrscheinlich sogar nicht viele – BVB-Anhänger unterstützen diese Aktionen. Hinter den tätlichen Angriffen stehen selbstverständlich auch nur ein paar Idioten, die man hoffentlich identifizieren und möglichst drastisch bestrafen kann. Bei den Plakaten sehe ich das aber ein wenig anders. Diese waren über die komplette Südtribüne und in einer so großen Anzahl verteilt, dass man an dieser Stelle durchaus von den BVB-Fans im allgemeinen sprechen darf.

Der BVB selbst hat sich zwar in aller Form bei den Verantwortlichen von RB Leipzig entschuldigt. Ich befürchte jedoch, dass sich an der Situation selbst und an der Einstellung dieser Personen, die es leider auch in anderen sogenannten Traditionsvereinen gibt, nicht viel ändern wird. Das ist ein Thema, welches uns in den nächsten Monaten und Jahren sicher noch weiter begleiten wird.

FIFA-Skandal um Çalhanoğlu-Sperre

Den Vogel hat bereits vor Beginn des 19. Spieltags die FIFA abgeschossen, als man Hakan Çalhanoğlu von Bayer 04 Leverkusen für den Rest der Saison sperrte. Grund dafür war ein Vergehen in seiner Jugendzeit beim Karlsruher SC. Çalhanoğlu, der damals von seinem Vater beraten wurde, unterschrieb zunächst einen Vertrag beim türkischen Erstligisten Trabzonspor und wechselte dann doch zum Hamburger SV.

Ein Vergehen, welches auf jeden Fall bestraft werden muss. Allerdings nicht vier Jahre später. Hauptsächlich Leidtragender in dieser Geschichte ist nun Bayer Leverkusen, das in der wichtigsten Phase der Saison auf seinen kreativen Kopf und Standardexperten verzichten muss. Und das obwohl man mit dem Vergehen von damals überhaupt nichts zu tun hat.

Noch interessanter wird die Geschichte, wenn man weiß, dass bereits im Frühjahr 2016 über dieses Thema entschieden wurde. Das Problem dabei war allerdings, dass Çalhanoğlu bei früherem Strafvollzug der türkischen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Frankreich gefehlt hätte. Um dieser Problematik zu entgehen, schob man die öffentliche Bekanntgabe einfach auf Januar 2017.

Aber bei Themen rund um die FIFA darf man einfach nicht mehr überrascht sein. Die handelnden Personen dort, die übrigens immer seltener die nötige Kompetenz mitbringen, treffen für die Allgemeinheit überhaupt nicht nachvollziehbare Entscheidungen und können im Prinzip machen, was sie wollen.

HSV und Schalke 04 punkten gegen den Trend

Völlig entgegen der bisherigen im Kalenderjahr 2017 gezeigten Leistungen sorgten am 19. Spieltag zwei Mannschaften für Aufsehen: Der Hamburger SV und Schalke 04. Der HSV konnte mit einem 1:0 Heimerfolg gegen Bayer Leverkusen vom direkten Abstiegsplatz auf den Relegationsplatz springen. Und Schalke 04 überzeugte mit einem 1:1 auswärts bei Tabellenführer Bayern München.

Vergleicht man die Kader des HSV und seines Gegners Bayer Leverkusen hinsichtlich Qualität und Marktwert, so hätte der Vorteil deutlich auf Seiten der Rheinländer liegen müssen. Mit einem Gesamtmarktwert von rund 275 Millionen Euro ist das Team von Bayer 04 mehr als das dreifache wert. Die Mannschaft des HSV hat gerade einmal einen Marktwert von rund 85 Millionen. Nimmt man dann noch die Tabellenkonsteallation und die letzten Auftritte hinzu, so hätte der HSV die drei Punkte eigentlich per Post nach Leverkusen schicken können, um die wenigen vorhandenen Kräfte für direkte Abstiegsduelle aufzuheben. Alles in allem konnte dieses Aufeinandertreffen eigentlich nur mit einem deutlichen Auswärtssieg enden.

Trotzdem rieben sich die rund 46.000 Zuschauer im Hamburger Volksparkstadion nach Abpfiff die Augen. Mit einem 1:0 schickte der HSV seinen Gegner zwar knapp, aber völlig verdient nach Hause. Vom Tempofußball, den Leverkusen unter Roger Schmidt in dessen Anfangszeit praktizierte, war überhaupt nichts zu sehen. Sowohl in puncto Torschüsse als auch bei der Laufleistung und der Zweikampfquote war der HSV seinem Gegner teilweise deutlich überlegen.

Für Hamburg waren das also wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg. Schaut man auf das Programm der Hanseaten, so könnten diese drei Punkte sogar überlebenswichtig gewesen sein. Kommende Woche reist der HSV zum Tabellenzweiten RB Leipzig, spielt dann zu Hause gegen den SC Freiburg und trifft im Anschluss daran erneut auswärts auf Rekordmeister Bayern München. Gut möglich, dass andere Teams im Abstiegskampf in diesen Wochen einen Puffer zwischen sich und den HSV aufbauen.

Schalke überzeugt bei Bayern München

Ähnlich überraschend verlief das Spiel zwischen dem FC Bayern und Schalke 04. Zwar liegen die Münchner in Sachen Marktwert nur zwei Plätze vor dem Team aus dem Ruhrpott. Trotzdem ist der Vorsprung der Bayern uneinholbar. Und weil Schalke 04 in den letzten beiden Heimspielen so gar nicht überzeugen konnte, hätte man doch von einem deutlichen Heimsieg der Münchner ausgehen müssen.

Nach nicht einmal 10 Minuten stand es auch schon 1:0 für die Münchner. Dauerbrenner Robert Lewandowski vollendete einen schönen Spielzug nach Vorlage von Arturo Vidao per Lupfer. Doch nur wenige Augenblicke später stand es auch schon wieder Unentschieden. Naldo traf per Freistoß, weil Neuer den Ball falsch einschätzte. Dass es letztlich bei diesem 1:1 blieb, lag vor allem an beiderseitigem Latten-Pech.
Die Defensivreihen standen gut. Offensiv wusste Schalke allerdings besser zu gefallen. Nur in den Schlussminuten gelang es den Bayern noch einmal ernst zu nehmenden Druck auf die Abwehrreihe der Gäste auszuüben. In Sachen Zweikampfquote und gelaufenen Kilometern setzten sich die Knappen teilweise deutlich durch.

Alles in allem ein Endstand, mit dem beide Teams leben können. Die Bayern bauten ihren Vorsprung auf RB Leipzig dadurch sogar um einen Punkt aus. Die Meisterschaft nehmen sie meiner Meinung nach trotz schwacher Saison ohnehin mit. Man mus jedoch abwarten, ob es mit den gezeigten Leistungen in den anderen Wettbewerben für ein Weiterkommen reicht. Für Schalke stehen ganz entscheidende Wochen in der Bundesliga an. Der Abstand zu den Europapokal-Plätzen ist eigentlich schon zu groß. Man spielt allerdings die nächsten beiden Spiele gegen Berlin und Köln und könnte so den Abstand auf die begehrten Plätze verkürzen. Grundvoraussetzung dafür wäre ein ähnlich beherztes Auftreten wie gegen die Bayern.

Der Fußball-Blogger veröffentlicht eure Facts

Das waren die Facts des 19. Bundesliga-Spieltags. Schaut euch auch die Facts des 18. Bundesliga-Spieltags noch einmal an. Und wie immer gilt: Wenn ihr der Meinung seid, dass wichtige Facts vergessen wurden, schickt uns eine Mail an kontakt@! In jedem Fall freuen wir uns auf Kommentare und eure Sicht der Dinge.

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