Kolumne

Bundesliga-Facts zum 22. Spieltag 2016/2017

27.02.2017 Auch am Faschings-Wochenende ist in der Fußball-Bundesliga auf den Sportplätzen wieder so einiges passiert und ich habe versucht, die Highlights für euch zusammenzufassen.

Der HSV zeigt sein übliches Gesicht in München

Alle Jahre wieder fährt der Hamburger SV nach München, um uns neutrale Zuschauer mit einer Torflut zu verwöhnen. Das 1:3 Ende 2013 kann aus Sicht der Norddeutschen schon als Fußballwunder gewertet werden. Denn die restlichen Ergebnisse bei Auswärtsspielen in München seit 2011 lauten 0:6, 0:5, 2:9, 0:8, 0:5 und heute erneut 0:8. Kein anderes Bundesliga-Team blamiert sich derart häufig wie der Hamburger SV. Trotzdem spielt man immer noch in Deutschlands höchster Spielklasse – als einziges Team seit Gründung der Fußball-Bundesliga.

Ob der HSV auch in der kommenden Saison noch in der 1. Bundesliga spielt, hatte ich vor einigen Wochen noch stark bezweifelt. Dann folgten aber teilweise überzeugende Auftritte mit dem Ergebnis, dass man aktuell wieder realistische Chancen auf einen Verbleib in Liga 1 hat. Mit 20 Punkten steht man auf dem Relegationsplatz 16 vor den für mich bereits abgestiegenen Darmstädtern (12 Punkte) und dem FC Ingolstadt (18 Punkte). Lediglich zwei Punkte mehr stehen bei den beiden Konkurrenten aus dem Norden, VfL Wolfsburg und Werder Bremen, zu Buche. Zumindest der Kampf um den Relegationsplatz dürfte also noch eine Weile spannend bleiben.

Kann Wolfsburg absteigen?

Gerade einmal zwei Punkte trennen den VfL Wolfsburg noch vom Relegationsplatz und bis zum ersten direkten Abstiegsplatz sind es auch nur vier Punkte. Hinzu kommt, dass die Wölfe am Freitagabend das 6-Punkte-Spiel zu Hause gegen Werder Bremen mit 1:2 verloren. Anstatt sich ein kleines Polster auf die Abstiegsplätze zu verschaffen, befindet man sich nun in arger Not.

Den Trainer Dieter Hecking hat man in der Hinrunde bereits ausgetauscht, ebenso hat man im Winter Geschäftsführer Klaus Allofs entlassen. Eine Besserung war maximal kurzzeitig zu sehen. Die Zusammenstellung des Teams passt einfach nicht. Teilweise fehlt es an Qualität, teilweise aber auch an der richtigen Einstellung einiger Spieler. Weil die Leistungskurve auch unter Valérien Ismaël nach unten zeigt, ist ein erneuter Trainerwechsel für mich nur noch eine Frage der Zeit.

Von den Teams am unteren Ende der Tabelle ist der VfL Wolfsburg auch das einzige, welches möglicherweise noch nicht realisiert hat, dass es in Sachen Abstieg 5 vor 12 geschlagen hat. Nachdem die Besetzung des Trainerpostens durch eine interne Personalie keine Früchte trägt, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass wir in Wolfsburg endlich mal wieder einen sogenannten Feuerwehrmann zu Gesicht bekommen.

UPDATE: Wolfsburg hat Ismaël mittlerweile entlassen. Der Nachfolger ist zwar ein alter Bekannter, aber keinesfalls ein als Feuerwehrmann bekannter. Der Niederländer Andries Jonker erhält einen Vertrag bis 2018 und soll die Wölfe vor dem Abstieg retten. Bekannt ist Jonker hauptsächlich als Co-Trainer von Louis van Gaal. Gemeinsam arbeiteten sie unter anderem beim FC Barcelona und beim FC Bayern.

Mainz holt Leverkusen auf den Boden der Tatsachen zurück

Nach zuvor zwei Bundesliga-Siegen in Folge gegen Eintracht Frankfurt und beim FC Augsburg bekam das Team von Roger Schmidt unter der Woche einmal mehr seine Grenzen aufgezeigt. Gegner im Hinspiel des Champions League-Achtelfinals in der heimischen BayArena war Atlético Madrid. Die Spanier stehen nach dem 4:2-Erfolg bereits mehr als nur mit einem Bein im Viertelfinale.

Es war klar, dass wieder harte Zeiten auf Roger Schmidt zukommen, sollte am Wochenende kein Pflichtsieg gegen Mainz folgen. Und genauso kam es nun. Zugegebenermaßen unglücklich geriet man schnell mit 0:2 in Rückstand. Entscheidend hierbei, genau wie in der Vorwoche bei der Partie zwischen Frankfurt und Ingolstadt, eine Fehlentscheidung des Schiedsrichtergespanns um Benjamin Brand. Einen klaren Abstoß erkannte man auf Eckstoß für Mainz an. Aus diesem Eckball resultierte dann das 0:1 für die Gäste durch Bell. Nach dem 0:2 in der 11. Minute durch Öztunali hatte Bayer jedoch immer noch 80 Minuten Zeit gegen das vor diesem Spieltag zweitschlechteste Auswärtsteam der Bundesliga. Aus Leverkusener Sicht also ein mehr als enttäuschender Auftritt.

Für mich war diese Leistung keinesfalls eine Überraschung. Schmidt mag ein guter Trainer sein. Aber er hat es in mittlerweile fast drei Jahren nicht geschafft, das Team auf ein besseres Level zu hieven. Abgesehen von ein paar Talenten schafft er es auch nicht, Neuzugänge zu integrieren. Volland, Baumgartlinger, Dragovic. Die Top-Einkäufe im Sommer waren bei ihren vorherigen Vereinen absolute Leistungsträger und spielen keine Rolle. Der österreichische Innenverteidiger Dragovic spielt zur Zeit nur, weil mit Jonathan Tah der eigentliche Stamm-Innenverteidiger verletzt ist.

Je länger die Saison geht, umso deutlicher wird für mich, dass es bei aller Qualität von Roger Schmidt für beide Seiten wohl das beste wäre, wenn man spätestens im Sommer getrennte Wege geht.

Eintracht Frankfurt verabschiedet sich langsam von den vorderen Plätzen

Lange Zeit in der Saison sah es so aus als ob Eintracht Frankfurt in der nächsten Saison im europäischen Wettbewerb vertreten sein würde. Zwischenzeitlich stand man nach der Winterpause sogar auf Tabellenplatz drei, der die direkte Qualifikation für die Champions League bedeutet hätte. Nach immensem Verletzungspech und nun drei Niederlagen in Folge scheint die Erfolgsgeschichte der Eintracht aber beendet zu sein.

Von Woche zu Woche fehlen der Eintracht mehr Spieler. In der Vorrunde aufgebaute Qualitäten wie Selbstvertrauen und Selbstverständnis kommen immer mehr abhanden. Hinzu kommen individuelle Aussetzer in Form von absolut unnötigen Platzverweisen. Im Heimspiel gegen Ingolstadt flog mit David Abraham der wichtigste Defensivspieler nach einem unbeholfenen Tritt vom Platz. Und im Spiel bei Hertha BSC gingen Haris Seferović die Nerven durch.

Dass der Treffer zum 1:0 für Berlin irregulär war, soll an dieser Stelle ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Die korrekte – wenn auch äußerst schwer zu beurteilende – Entscheidung hätte Strafstoß für Berlin sein müssen. Bei der Großzahl der zur Zeit gehaltenen Elfmetern kann man durchaus mit den Gedanken spielen, dass das Spiel einen anderen Verlauf genommen hätte. So fährt man erneut mit leeren Händen nach Hause.

In den kommenden Bundesliga-Wochen muss Frankfurt somit auf eine Hand voll der wichtigsten Spieler verzichten. Da wird sich zeigen, ob sie den Trend noch einmal umkehren können oder ob der Traum von Europa nächste Saison für die Eintracht ausgeträumt ist.

Stindls Handtor bringt Ingolstadt auf die Verliererstraße

Am Sonntagnachmittag traf der abstiegsbedrohte FC Ingolstadt im heimischen Audi Sportpark auf Borussia Mönchengladbach. Der FCI liegt mit lediglich 18 Punkten aus 22 Spielen bereits vier Punkte hinter dem ersten Nichtabstiegsplatz. Die Fohlenelf hingegen hat einen Lauf und schielt sicher schon wieder mit mehr als nur einem Auge auf die Qualifikationsplätze für die Europa League.

Nach einer unspektakulären ersten Halbzeit fand die spielentscheidende Szene in der 60. Minute statt. Lars Stindl, der seit Wochen in bestechender Form aufspielt, traf zur Gästeführung. Ingolstadt rannte fortan gegen den Rückstand an, konnte das Gästetor aber nur selten ernsthaft in Gefahr bringen. Das 2:0 von André Hahn in der Nachspielzeit besiegelte dann die Niederlage für das Team von Trainer Maik Walpurgis.

Eine Niederlage mit fadem Beigeschmack. Denn den Führungstreffer erzielte Stindl per Hand. Und interessant finde ich die Tatsache, dass in nahezu allen Spielberichten von einem regulären Treffer gesprochen wird. Lustigerweise sieht man an Stindls Reaktion direkt im Anschluss an den Treffer, dass der Treffer nicht in Ordnung war. Wirklich gejubelt hat er nicht. Und das Problem ist in diesem Fall ausnahmsweise mal nicht, dass die Handregel viel Spielraum für Interpretationsmöglichkeiten bietet, sondern die Definition an sich. Diese besagt nämlich, dass es sich nur dann um eine Regelwidrigkeit handelt, wenn der Spieler den Ball absichtlich mit der Hand spielt. Legt man diese Definition auf die Szene mit Stindl, so wäre es in der Tat ein regelkonformer Treffer.

Würde man aber unter allen Fußballern auf der Welt eine Umfrage durchführen, so würde die überwältigende Mehrheit in dieser Situation auf Freistoß für Ingolstadt entscheiden, weil so ein offensichtliches und spielentscheidendes Handspiel einfach geahndet werden muss.

Schickt uns eure Facts

Das waren die Facts des 22. Bundesliga-Spieltags. Wenn ihr der Meinung seid, dass wichtige Facts vergessen wurden, schickt uns eine Mail an kontakt@! In jedem Fall freuen wir uns auf Kommentare und eure Sicht der Dinge.

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