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Bayern in der Krise – Pep Guardiola zeigt deutliche Schwächen

Am gestrigen Mittwoch Abend verlor der FC Bayern das Hinspiel des diesjährigen Champions League Halbfinals bei Real Madrid mit 0:1 und war dabei genau wie in den meisten Spielen der letzten Monate erstaunlich harmlos. Zwar hatte man mehr Ballbesitz – zwischenzeitlich sogar 80%. Gefährliche Torchancen sprangen dabei jedoch nahezu keine heraus. Die einzig nennenswerte Torchance der Münchner hatte der kurz zuvor eingewechselte Mario Götze, als der Ball nach einer Einzelaktion von Arjen Robben mehr oder weniger zufällig zu ihm gelangte. Seinen Schuss konnte der ansonsten arbeitslose Real-Torhüter Iker Casillas aber ohne Probleme entschärfen. Real Madrid beschränkte sich darauf, tief und kompakt zu stehen und ab und zu über Konter zu kommen. Mit der ersten Torchance erzielte Karim Benzema dann in der 19. Minute sogar die Führung für die Spanier, die über das gesamte Spiel hinweg Bestand haben sollte.

Eine absolut verdiente Bayern-Niederlage, die aber vermeidbar war. Diese Niederlage geht für mich auf das Konto von Pep Guardiola. Bereits im Viertelfinale ging seine Taktik nicht auf. Zwar hieß der Gegner Manchester United. Was dieser Name zur Zeit allerdings Wert ist, sieht man daran, dass ManU im Mittelfeld der englischen Premier League steht und bereits jetzt keine Chance mehr auf das Erreichen der nächst jährigen Champions League Saison hat. Der FC Bayern aus 2013 hätte Manchester in beiden Spielen auseinander genommen. Dieses Jahr reichte es gerade noch so, um weiter zu kommen. Das Problem ist die Spielweise der Münchner. Guardiola möchte in jedem Spiel deutlich mehr Ballbesitz haben als der Gegner. Nur können sich die Gegner mittlerweile sehr gut darauf einstellen und auch damit leben, dass sie weniger Ballbesitz haben. Denn am Ende zählen nur die Tore. Und da schießen die Gegner der Bayern in letzter Zeit genauso viele oder sogar mehr. Es wirkt als sei Guardiola der Meinung, jeder Gegner muss sich nach dem FC Bayern richten und Bayern spielt einfach immer das gleiche Spiel. Aber so einfach ist es glücklicherweise nicht. Im Rückspiel gegen Manchester mussten die Engländer ein Tor schießen, um weiter zu kommen. Was hätte dagegen gesprochen, als FC Bayern tief zu stehen und die Engländer mit seinen schnellen Offensivspielern aus zu kontern? Stattdessen bauten die Münchner ihr langsames Spiel um den Strafraum der Gäste auf, kamen zu keinerlei Torchancen und mussten sogar das 0:1 nach einem Konter hinnehmen. Zum Glück kam dieser Treffer den Spielern von ManU überhaupt nicht gelegen. Danach verloren diese nämlich für kurze Zeit die Ordnung in der Defensive und Bayern schlug zu. Gestern Abend gegen Madrid war es ein ähnliches Spiel. Mit dem Unterschied, dass die Real-Defensive eben nahezu keine Fehler machte.

Dieses Spiel um den gegnerischen Strafraum herum bringt nur dann etwas, wenn man entweder schnelle, wendige, unberechenbare Spieler hat, die sich im 1 gegen 1 durchsetzen können oder im Zentrum einen derart kopfballstarken Spieler aufbieten kann, dass bei jeder Flanke Gefahr im Verzug ist. Mario Mandžukić ist zwar ein sehr kopfballstarker Spieler. Wenn die Gegenspieler allerdings Sergio Ramos, Pepe oder Raphael Varane heißen, hat auch er nur wenig zu lachen. Und von den unberechenbaren Einzelspielern, die Bayern sicherlich in seinem Kader hat, saßen mit Mario Götze und Thomas Müller zwei absolute Waffen fast das komplette Spiel über auf der Bank und Franck Ribéry läuft seiner Form meilenweit hinterher. Da Schweinsteiger, Lahm und Kroos nur Querpässe spielten, blieb an diesem Abend nur noch Arjen Robben. Robben selbst hat zwar seit Monaten eine sehr gute Form. Aber einen Gegner wie Real Madrid kann auch er nicht alleine ausschalten. Neben der taktisch falschen Spielweise also ein weiterer Fehler von Guardiola. Ribéry hätte nach den Leistungen der letzten Wochen gar nicht erst unter den ersten 11 stehen dürfen. Schon gar nicht, wenn man einen Götze oder einen Müller in der Hinterhand hat. Aber dass selbst nach der schwachen ersten Halbzeit nicht umgestellt wurde, war einfach ein Fehler zu viel.

Nimmt man dann noch die Aussage Guardiolas vor einigen Wochen dazu, als er ganz Deutschland mitteilte, dass den FC Bayern die Bundesliga nicht mehr interessiert, so steht für mich fest, dass er kein ganz großer Trainer ist. Zu viele Fehler in zu kurzer Zeit. Das Selbstvertrauen, das sich die Münchner Spieler über die letzten 1,5 Jahre erarbeitet haben, ist nun aufgebraucht. Die Spieler wissen aktuell nicht, wie sie aus dieser Krise kommen sollen. Es droht eine Saison mit nur einem Titel, was nach der überragenden letzten Saison und der frühen Meisterschaft 2014 eine absolute Enttäuschung wäre. Auch wenn die Bayern-Fans immer noch davon überzeugt sind, dass man das Rückspiel gegen Madrid locker für sich entscheidet. Freuen würde es mich auch. Der Glaube daran fehlt mir allerdings leider.

Über den Autor

Christian Schätzle
Christian Schätzle

Christian Schätzle gründete den deutschen Fussball Blog "Der Fussball-Blogger" im Jahr 2007 und ist bis heute als Redakteur an Bord. Seit seinem fünften Lebensjahr steht der Fussball für den hauptberuflichen Webentwickler fast immer an erster Stelle in seinem Leben. Diese Leidenschaft versucht er auch in seinen Artikeln zu transportieren. 2013 ließ er sich von der Leidenschaft der Fans von Borussia Dortmund infizieren und unterstützt den Verein seitdem in guten wie in schlechten Zeiten. Schätzle selbst spielte bereits bei drei verschiedenen Fussball-Vereinen im Herrenbereich und war zudem zwei Jahre als Spielertrainer tätig. Zusätzlich zum aktiven Spielgeschehen unterstützt er ehrenamtlich die Vorstandsarbeit des FC Hirschhorn.

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