Internationale Nachrichten

Aus der Traum

Und wieder müssen wir uns zumindest einer besseren Nation geschlagen geben. Genau wie bei den Weltmeisterschaften 2002 in Japan und Südkorea, 2006 in Deuschland und bei der Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz scheinen unseren DFB-Kickern im entscheidenden Spiel die Nerven zu versagen.

2002 sind wir ohnehin nur durch viel Glück und Oliver Kahn ins Finale gekommen und bekamen dann vom späteren Weltmeister Brasilien die Grenzen aufgezeigt. Ab 2006 war es allerdings so, dass unsere Mannschaft mit den schönsten Fußball gezeigt hat. Dieses Jahr – wahrscheinlich nicht nur für mich – sogar den schönsten und effizientesten Fußball zugleich.

Der Fußball, den diese junge Mannschaft im WM-Auftakt gegen Australien, im Achtelfinale gegen England und dann auch im Viertelfinale gegen Argentinien spielte, hat wohl Jeden auf der Welt erstaunt. Klar glaubte ich als Fußball-Verrückter Deutschland-Fan auch vor der WM schon an den Weltmeistertitel. Nach diesen Auftritten jedoch war ich mir sogar sicher, dass diese Mannschaft es schafft und den Pokal nach 20 Jahren endlich wieder nach Hause holt. Da ich 2006 vorm Halbfinale genau so sicher war, hatte ich dieses Mal – obwohl ich nach Außen hin versucht habe, optimistisch zu sein – gewisse Ängste. Damals war es die Nationalmannschaft aus Italien, die überaus glücklich und teilweise unverdient ins Halbfinale gekommen war. Wir zeigten ausgerechnet in diesem Spiel zu viel Angst und Respekt und schieden dadurch verdient aus. Exakt das gleiche Gefühl hatte ich gestern nach Abpfiff! Auch wenn Spanien weniger durch Glück und schon gar nicht unverdient in diesem Halbfinale stand, so konnte man doch die komplette WM über sehen, dass sie sich mit ihrem Kurzpassspiel extrem schwer tun. Man hatte zwar in jedem Spiel zwischen 65 und 80% Ballbesitz. Jedoch konnte man trotz dieser Überlegenheit viel zu wenige Chancen erspielen und kam daher immer nur knapp weiter.

Das war auch meine Hoffnung für das Halbfinale: Eine spielerische Überlegenheit der Spanier im Mittelfeld, aber wenige daraus resultierende Chancen für Villa und gleichzeitig schnell ausgespielte Konter, die Klose dann mit Toren abschließt. Dass es so nicht geklappt hat, hat Jeder gesehen. Aber warum war das so?

In meinen Augen gibt es dafür zwei Gründe:

1.) Teile der Mannschaft hatten einfach zu viel Angst und Respekt vor den Weltklasse-Spielern aus Spanien. Vor allem bei den jungen Nationalspielern Khedira und Özil hat man das gesehen. Im zentralen Mittelfeld ließen sie ihren Gegenspielern einfach viel zu viel Freiräume anstatt die Kombinationen durch gezielt körperbetontes Einsteigen zu unterbinden. Noch weniger gezeigt haben die beiden Außenspieler Podolski und Trochowski. Auf letzteren komme ich in Punkt 2 noch zu sprechen. Über Podolski darf ich eigentlich nicht viel Negatives erzählen, da er von meiner Kollegin vergöttert wird. Ich hätte von einem 78-maligen Nationalspieler jedoch erwartet, dass er gerade in solchen Spielen mehr Verantwortung übernimmt. Denn die Außenverteidiger sind die einzigen Schwachpunkte in der spanischen Elf. Sergio Ramos ist als rechter Außenverteidiger offensiv einer der besten der Welt. Aber hinten ist er sehr anfällig. In Ansätzen konnte man das auch in den letzten Minuten sehen als Marcel Jansen einige Male an ihm vorbei spaziert ist. Sowohl defensiv als auch offensiv nur mittelmäßig ist auf der linken Außenverteidiger-Position Joan Capdevila. Und damit kommen wir auch zum zweiten Grund, warum wir dieses Spiel verloren haben.

2.) Mit einem Thomas Müller, der für mich bereits mit 20 Jahren an der Weltklasse anklopft, wäre dieses Spiel anders gelaufen. Er hätte von Beginn an durch seine Unbekümmertheit gute Aktionen über die rechte Außenbahn gezeigt und andere Spieler hätten sich an seiner Leistung hochgezogen. Genau so lief es die Spiele zuvor. Ich möchte mich nicht weiter darüber aufregen, dass seine gelbe Karte aus dem Argentinien-Spiel ein Witz war. Dafür war leider wie so oft bei diesem Turnier der Schiedsrichter verantwortlich und Fehlentscheidungen der Schiedsrichter gehören zum Fußball genau so dazu, wie Tormannfehler oder verschossene Elfmeter. Und letztendlich war es auch egal, ob Müller durch Trochowski, Kroos oder Cacau ersetzt wird. Keiner dieser Spieler hat auch nur annähernd die Klasse und das Selbstvertrauen eines Thomas Müller.

Alles in allem war die Niederlage dieses Mal knapper als im EM-Endspiel 2008. Aber das Weiterkommen der Spanier war am gestrigen Abend absolut verdient. Und obwohl die Holländer genau dort ihre Stärken haben, wo die Spanier angreifbar sind, drücke ich den Spaniern im Finale die Daumen. Dafür spricht auch, dass unsere Nationalmannschaft bei den letzten zwei Weltmeisterschaften gegen die Mannschaft ausgeschieden ist, die dann später Weltmeister wurde.

1 Kommentar

  1. DIE Kollegin sagt:

    Ich vergöttere Ihn nicht, ich verteidige nur nen Kölsche Jung, weil IHR immer auf ihm rumhackt!

Deine Meinung zum Thema

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

Über uns

Die Redaktion des Fussball-Bloggers wendet sich bereits seit 2007 mit ihren Artikeln an Fussball-interessierte Leser und deckt dabei alle Bereiche des Fußballs ab. Dazu zählen u.a. der internationale, der nationale und der regionale Fußball, sowohl bei Männern als auch bei Frauen und auch der virtuelle Fußball wird behandelt. Neben interessanten Geschichten rund um die eigentliche Sportart informiert Der Fußball-Blogger außerdem über neue Produkte und Trends im Fußball wie beispielsweise Fußball-Schuhe, Trikots oder Bälle.