Aufruf zu mehr Vereinsarbeit

Aubameyang und das übergelaufene Fass

21.01.2018 Schon seit einigen Jahren spüre ich in mir diese Unzufriedenheit und Enttäuschung, wenn ich mir die Entwicklungen und Zustände sowohl im Profi- als auch im Amateur-Fußball anschaue. Sicherlich gab es auch in den letzten Jahren immer wieder zum Haare raufende Themen in Europas Sportart Nummer eins. Und immer wieder wurden diese Themen in der Öffentlichkeit thematisiert, diskutiert und kritisiert. Aber geändert hat sich nichts. Ganz im Gegenteil: Es entwickelt sich in allen Bereichen nur noch zum Schlimmeren.

Beispiele gefällig? Da weiß ich gar nicht, wo ich ansetzen soll. In meinem Kopf schwirren zu dieser Problematik derart viele Punkte umher, dass ich an diesem Artikel Tage oder sogar Wochen lang sitzen, ja wahrscheinlich sogar ein Buch darüber schreiben könnte. Schuld an der Misslage im Amateur-Fußball ist für mich zu großen Teilen der Profi-Fußball. Mir ist bewusst, dass es sich hierbei um eine gewagte These handelt. Aber ich gehe davon aus, dass ich diese in den kommenden Abschnitten untermauern kann.

Probleme beginnen in den 90ern

Grundsätzliches Problem ist das Geld. Als sich in den 90er Jahren immer mehr Unternehmen für das lukrative Geschäft „Profi-Fußball“ interessierten, die Vereine selbst zu Unternehmen und die Spielerablösen immer größer wurden, dachte noch niemand daran, dass irgendwann einmal zwei- oder sogar dreistellige Millionenbeträge für Spieler ausgegeben oder diesen Spielern aus Sicht eines normal arbeitenden Menschen unverschämt hohe Gehälter gezahlt würden. Für den Amateur-Fußball war das jedoch der Anfang vom Ende. Denn diese Entwicklung beschränkte sich nicht nur auf den Profi-Fußball. Auf der einen Seite gab es selbst kleinere Dorfvereine, die plötzlich Geld in die Hand nahmen, um ihren Kader aufzustocken und dadurch in Ligen aufzusteigen, in denen sie einfach ausgedrückt nichts zu suchen hatten. Auf der anderen Seite wuchs die erste Generation an Amateurspielern heran, der nicht etwa der Fußballverein wichtig war, der sie die komplette Jugend über ausbildete. Kamen andere Vereine und boten Handgelder, Siegprämien oder sogar ein monatliches Gehalt, so waren die Spieler immer öfter weg.

Dass es im Profi-Fußball mittlerweile fast keine Spieler mehr gibt, die sich zu 100% mit ihrem Verein identifizieren, die im besten Fall ein Leben lang für ihren Verein spielen, bremst die Entwicklung im Amateurbereich selbstverständlich auch nicht gerade aus. Aktionen wie die des ehemaligen BVB-Spielers Ousmane Dembélé, des ehemaligen Liverpool-Spielers Coutinho oder im neuesten Falle des aktuellen BVB-Spielers Pierre-Emerick Aubameyang erregen zwar öffentliches Aufsehen. Aber Streiks und offensichtliche Provokationen gegenüber dem Arbeitgeber führen fast schon regelmäßig dazu, dass sich Spieler aus ihren laufenden Verträgen heraus erpressen können, um dann bei einem anderen Verein ein paar Euro mehr zu verdienen. Wer hierbei noch von Ausnahmefällen spricht, der wurde von der Realität längst überholt. So erfährt die breite Masse der Öffentlichkeit lediglich von den ganz bekannten Fällen. Aber auch ein Modeste wollte beispielsweise im vergangenen Sommer endlich die Freigabe seines FC Köln, um in der Fußball-Hochburg „Chinese Super League“ für ein paar Euro mehr glänzen zu können.

Spieler sitzen am längeren Hebel

Den abgebenden Vereinen sind dabei die Hände gebunden. Man hört in diesen Tagen immer wieder die Floskel „Den würde ich bis zum Ende seines Vertrags auf die Tribüne setzen“. Nur ist das leider unmöglich. Denn auch auf der Tribüne ist der Verein dazu verpflichtet, das vertraglich fixierte Gehalt zu zahlen. Noch dazu dürfte der Spieler nach Ablauf seines Vertrags ablösefrei wechseln. Im Falle von Aubameyang würde der BVB so also auf rund 100 Millionen Euro verzichten. Das kann sich ein Unternehmen einfach nicht erlauben. Die Hoffnung dass der aufnehmende Verein solchen Halsabschneidern den Garaus macht, hatte ich ehrlich gesagt nie. Es sind sogar  die Verantwortlichen dieser Vereine, die gemeinsam mit viel zu gut bezahlten Spielerberatern den treulosen Spielern die Flausen in den Kopf setzen. Der Profi-Fußball befindet sich also in einem Teufelskreis, aus dem es anscheinend kein Entkommen mehr gibt. Dass es im Profi-Fußball und allen voran in der Bundesliga heutzutage noch viel mehr Probleme gibt, ist vielen leider nicht bewusst. Wie eingangs bereits erwähnt, würden diese Themen jedoch den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Ich möchte mit diesem Artikel in erster Linie auch nicht den fortlaufenden Untergang des Profi-Fußballs analysieren, sondern an die jungen Nachwuchsspieler, deren Eltern und diejenigen appellieren, die ihre Freizeit lieber für einen dieser Profi-Vereine verschwenden. Denn auch damit unterstützt ihr das dreckige Geschäft und lasst die Vereine vor eurer Haustüre im Stich!

Der Fußballverein von nebenan mit seinen ehrenamtlichen Helfern ist es nämlich, der dafür sorgt, dass ihr oder eure Kinder dem Lieblingshobby nachgehen können. Von diesen Helfern gibt es immer weniger – und das verständlicherweise. Denn auch die Bereiche in Amateur-Fußballvereinen wurden im Laufe der Jahre komplexer. Früher war es gängig, dass ein Elternteil Trainer einer Jugendmannschaft war. Heute benötigt man schon Pädagogen und Fußballtrainer in einem, um die vielseitigen Probleme innerhalb von solchen Jugend-Gruppen halbwegs in den Griff zu bekommen. Es ist immer schwieriger, akzeptable Trainer zu finden, es entsteht eine viel höhere Fluktuation unter ihnen. Städte und Gemeinden erheben immer mehr und immer höhere Beiträge für Vereine. Wo man eigentlich froh sein müsste, dass sich Vereine sozial betätigen, werden ihnen mehr und mehr Steine in den Weg gelegt. Das alles geht zu Lasten der verständlicherweise immer weniger werdenden ehrenamtlichen Helfer.

Jeder kann etwas bewegen

Eltern erlauben sich, ihre Kinder im Verein einfach abzustellen, um selbst freie Minuten zu genießen, und vergessen dabei, selbst auch einmal aktiv am Vereinsleben teilzunehmen und zu unterstützen. Kinder wachsen zu Jugendlichen heran, die nicht einmal mehr wissen, was der Sinn eines Vereins ist. Wo früher bodenständige, vereinstreue Weltstars wie Steven Gerrard, Thierry Henry, Francesco Totti, Andrea Pirlo oder Gianluigi Buffon Vorbilder waren, schauen die Jugendlichen heute mehr auf Social Media-Profile als auf Leistung auf dem Platz und Verbundenheit zum Verein. Ich-AGs à la Aubameyang oder Coutinho, die sich offensichtlich nicht an die Regeln halten, werden von ihren Followern angehimmelt. Und junge Erwachsene schauen sich lieber den 300 km entfernt spielenden Profi-Verein an, als den eigenen Fußball-Verein im Ort zu unterstützen.

Dass ihr euch in einigen dieser Beispiele vielleicht selbst oder Bekannte von euch wieder erkennt, zeigt, wie umfassend die Probleme im Amateur-Fußball sind. Das Gute daran ist jedoch, dass es ein jeder von euch sehr einfach ändern kann. Setzt eure Prioritäten einfach mehr in Richtung eurer lokalen Vereine und weniger hin zu den Profi-Vereinen! Von den Profi-Vereinen bekommt ihr  in eurem Leben so gut wie nichts zurück. In eurem Ort sind hunderte oder sogar tausende Menschen, die euch dankbar sind für eure Unterstützung, für eure Treue zum Verein. So entstehen auch Freundschaften. Also keine Facebook-Freundschaften, sondern wahre Freundschaften, bei denen der eine für den anderen da ist, wenn er ihn braucht. Gemeinsam an Vereins-Projekten zu arbeiten. Das ist es, was Spaß macht und euch in eurem Leben weiter bringt.

Denkt einfach einmal darüber nach! Der Profi-Fußball ist nicht mehr zu retten. Aber gemeinsam kann es uns gelingen, den Amateur-Fußball wieder auf einen besseren Weg zu bringen.

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