Wie geht es weiter?

Anstand und Gewalt – auf und neben dem Platz

27.02.2017 Jahr für Jahr veröffentlicht die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZiS) einen Lagebericht aus dem Fußball. Die Bild-Zeitung nennt diese zahlenlastige Mitteilung ganz schlicht »Randale-Report« und spricht von eskalierender Gewalt: Die Einsatzstunden der Polizei im Fußballumfeld steigen ebenso wie die Verletztenzahlen stetig an, doch sind diese Zahlen, wie alle Statistiken, mit Vorsicht zu genießen.

Sind auch unbeteiligte Zuschauer gefährdet?

Nackte Zahlen sind nie sehr aussagekräftig, sie müssen stets im Zusammenhang gesehen werden. Welche Arten von Verletzungen zählen im Bericht, warum genau wurde die Polizei verstärkt und vor allem: Sind auch unbeteiligte Zuschauer gefährdet? In der Fußballsaison 2013/14 zählten die Statistiker 0,55 verletzte Unbeteiligte pro Match mit durchschnittlich 24.776 Zuschauern. Das sieht nicht danach aus, als ob es derzeit wirklich gefährlich wäre, die Bundesliga-Partien zu besuchen. Aber dann, beim Blick auf aktuelle Ereignisse rund um den BVB, ergibt sich wieder ein ganz anderes Bild: Beim Champions-League-Spiel in Lissabon kam es zu Festnahmen gewaltbereiter Ultras, auf dem Weg nach Darmstadt gingen der Polizei mit Sturmhauben und Pyrotechnik bewaffnete Hooligans ins Netz. Die Südtribüne im Dortmunder Stadion musste unlängst komplett gesperrt werden, weil Spruchbänder mit üblen Beleidigungen gehisst wurden.

Gewaltausbruch beim BVB-Spiel gegen RB Leipzig

Der schockierende Gewaltausbruch am 4. Februar gegen RB Leipzig richtete sich sogar gegen Frauen und kleine Kinder der Gäste. »Solche hasserfüllten Fratzen habe ich noch in keinem meiner Polizeieinsätze gesehen – ich bin schockiert«, gab Edzard Freyhoff als zuständiger Einsatzleiter im Anschluss des Spiels zu Protokoll. Das Ergebnis: 10 Verletzte, 28 Strafanzeigen und die Gewissheit, dass nur ein massives Eingreifen der Polizei noch Schlimmeres verhinderte. Bis zu 400 Hooligans rotteten sich beispielsweise zusammen, um bereits vor dem Spiel den Leipziger Mannschaftsbus zu kapern; dies konnten die Beamten zielgerichtet unterbinden. Trotzdem richten sich nun natürlich alle Augen auf die nächsten Bundesligaspiele des BVB, am 25. Februar ging es gegen den SC Freiburg und am 4. März gegen Bayer Leverkusen. Insbesondere das Derby gegen die Werkself könnte hierbei für Zündstoff sorgen, weswegen mit einem besonders großen Polizeiaufgebot zu rechnen ist. Spielerisch betrachtet, sehen führende Analytiker und Buchmacher aktuell noch kein Team wirklich vorne, uns scheint eine spannende Partie bevorzustehen. Ein Match gegen Leipzig steht bis einschließlich der 34. Spielwoche zum Glück nicht mehr an.

Überwältigende Mehrheit der Fans wünscht sich friedliches Miteinander

DFB und Polizei werden garantiert alles dafür tun, um die Spiele des BVB in Zukunft gründlich abzusichern, sodass sich die erschreckenden Szenen vermutlich nicht mehr so schnell wiederholen werden. Eine überwiegende Mehrheit der Fans wünscht sich schließlich nichts weiter, als friedlich nebeneinander das jeweilige Lieblingsteam anzufeuern, bei jedem Schuss aufs Tor mitzufiebern und vielleicht die eine oder andere Wette auf den Spielausgang abzuschließen. Fußball sollte ein Sport fürs Herz bleiben, nicht für die Fäuste!

Deutschland auf dem Spitzenplatz der Fairnesstabelle

Auch die Spieler selbst können durchaus auf dem Platz aggressiv agieren, doch die Bundesliga-Profis gehören in diesem Sinne eher zu den zahmen Vertretern ihrer Zunft. Im Jahr 2015 führte Deutschland die europaweite Fairnesstabelle mit durchschnittlich nur 0,17 rote Karten pro Spiel an, gefolgt von England und Frankreich. Tabellenletzter waren die Italiener mit 0,31-mal Rot pro Match. Aktuell nimmt Bayern München den Spitzenplatz auf der Fairplay-Tabelle der Bundesliga ein, am 21. Spieltag dieser Saison hat der Verein zwar 30 gelbe, aber noch keine einzige rote Karte kassiert. Auf dem 4. Platz findet sich ausgerechnet der BVB wider, 30 gelben Karten stehen hier einer einzigen roten Karte gegenüber. Am schlechten Vorbild kann die Gewaltbereitschaft der Fans also nicht liegen, Dortmunds Spieler verhalten sich schließlich überdurchschnittlich fair.

Amateurligen melden immer wieder gewaltsame Übergriffe auf Schiedsrichter, ein Armutszeugnis, das dringenden Verbesserungsbedarf signalisiert. In der Bundesliga hat dieser hässliche Trend zum Glück noch nicht Einzug gehalten, die Spieler verhalten sich hier deutlich professioneller. Die eine oder andere aggressivere Diskussion kommt zwar immer wieder mal zustande, doch die Fäuste bleiben dabei am Mann.

Gesellschaftliche Ursachen schwer zu beheben

Leider lautet mein Fazit, dass es auf dem weiten Feld »Gewalt im Fußball« noch sehr viel zu tun gibt. Die Wurzeln liegen nicht im Sport selbst, sondern in der Vorgeschichte derjenigen, die meinen, ihre Belange gewaltsam durchsetzen zu müssen. Aggressive Hooligans zu sondieren und sie von Spielen auszusperren, ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, doch auch die gesellschaftlichen Ursachen müssen dringend angepackt werden.

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