Überraschung bleibt aus

FC Bayern besiegt Werder Bremen im Halbfinale des DFB-Pokals

25.04.2019 Nach einem letztlich doch noch interessanten Pokalhalbfinale zwischen Werder Bremen und Bayern München setzt sich der deutsche Rekordmeister und Rekord-Pokalsieger insgesamt verdient mit 3:2 an der Weser durch und trifft somit im DFB-Pokalfinale in Berlin am 25. Mai auf RB Leipzig. Dabei war das gestern endlich mal wieder ein Spiel, das selbst neutrale Fußballfans berührt haben dürfte. Aber der Reihe nach.

Bayern fahrlässig

In den ersten rund 70 Minuten spielte eigentlich nur eine Mannschaft. Zu groß war wieder einmal der Respekt eines Bayern-Gegners, in diesem Fall der des SV Werder Bremen. Und so war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann die Bayern endlich in Führung gehen würden. Teilweise fahrlässig ging man mit seinen Chancen um. Robert Lewandowski war so gut wie gar nicht zu sehen, Thomas Müller vergab selbst klarste Chancen und wenn die vielen gefährlichen Bayern-Angriffe dann doch einmal ihren Weg Richtung Bremer Tor fanden, stand mit Jiri Pavlenka ein herausragender Torhüter im Weg.

In Führung ging man dann in typischer Müller-Manier und mit einer erheblichen Portion Glück in Minute 36. Ein Müller-Kopfball beinahe von der Toraus-Linie, also aus einer eigentlich unmöglichen Position, landete gleichermaßen überraschend wie unglücklich am hinteren Bremer Pfosten und fiel im Anschluss Robert Lewandowski vor die Füße, der nur noch abstauben brauchte. Von Werder war in in der Phase überhaupt nichts zu sehen. Als Thomas Müller selbst dann in der 63. Minute, übrigens technisch äußerst anspruchsvoll, auf 0:2 erhöhte, schien das Spiel endgültig gelaufen zu sein.

Werder-Comeback aus dem Nichts

Auch die Bayern-Spieler selbst müssen in diesem Moment geglaubt haben, dass dem Finaleinzug nichts mehr im Wege steht. Nur so ist es zu erklären, dass der Bremer Offensive innerhalb von einer Minute aus dem Nichts der 2:2-Ausgleich gelang. Der aus meiner Sicht schlechteste Mann auf dem Platz, Yuya Osako, traf zunächst zum 1:2. Keine 60 Sekunden später, in Minute 75, gelang dann Milot Rashica die Überraschung zum Ausgleich.

Und was geben wir in der heutigen Zeit nicht alles dafür, derart schockierte Gesichtsausdrücke von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge zu sehen, wie das nach Rahsicas Treffer der Fall war. Für einen kurzen Moment war das eigentlich selbstverständliche Weiterkommen stark gefährdet. Bremen war endlich im Spiel. Endlich konnte man am Fernseher richtig mitfiebern und spürte Pokal-Atmosphäre.

Übertriebener Bayern-Respekt

Leider wurde diese Atmosphäre nach nur wenigen Minuten schon wieder zerstört. Denn auch Schiedsrichter Daniel Siebert scheint nach dem 2:0 der Bayern bereits mit dem Spiel abgeschlossen zu haben und war nach dem Comeback der Bremer überhaupt nicht mehr bereit für einen Pokal-Fight. Zunächst schenkte er den Bayern den Sieg durch einen zweifelhaften Elfmeter. Ja, der Arm von Theodor Gebre Selassie war an Kingsley Coman dran. Und nein, das reicht noch nicht aus, um Elfmeter zu pfeifen. Fußball ist halt immer noch ein Männersport und Zweikämpfe mit Körperkontakt sind erlaubt und erwünscht.

Weil Bayerns Franzosen-Flügelflitzer bemerkte, dass er den Ball nicht mehr erreichen konnte, lies er sich einfach einmal fallen. Was hätte ich in diesem Moment dafür gegeben, wenn da ein guter, internationaler Schiedsrichter auf dem Platz gestanden hätte. Einer der sich aufgrund von populistischen Aussagen aus der Bayern-Führungsriege oder von 6 Meisterschaften in Folge nicht gleich in die Hosen macht, wenn er mal gegen den großen FCB pfeift. Manuel Gräfe, der am Wochenende im Sport1 Doppelpass zu Gast war und dort in jeder Hinsicht einen sehr kompetenten Eindruck gemacht hat, würde ich so etwas zutrauen. Daniel Siebert hatte genau wie die Mehrheit der deutschen Schiedsrichter an diesem Abend leider zu viel Respekt vor den Bayern. Er gab den Bayern diesen Elfmeter, den er auf der anderen Seite für Werder mit Sicherheit nicht gegeben hätte. Der insgesamt schwache Lewandowski verwandelte eiskalt zum 3:2-Endstand.

VAR ist an der Stelle fein raus

Seitdem höre ich überall schon wieder das Geschimpfe über den Video Assistant Referee. Ich bin sicher kein Befürworter des Videobeweis in der aktuellen Variante. Fakt ist aber, dass eine Korrektur des Schiedsrichters nur möglich ist, wenn es sich um eine eindeutige Fehlentscheidung handelt. Und davon kann nach Ansicht der Bilder leider auch keine Rede sein. Durch die Berührung an der Schulter gibt es eben immerhin ein kleines Argument für den Strafstoß. Und schon handelt es sich nicht mehr um eine eindeutige Fehlentscheidung. Der VAR ist an der Stelle also fein raus.

Nicht fein raus bei mir ist jedoch Schiedsrichter Daniel Siebert. Denn was einige Bayern-Spieler im Anschluss abgezogen haben, konnte ich mir bei ehemaligen und „Beinahe“-Weltmeistern ehrlich gesagt vorher nicht vorstellen. Ein derart provokantes Auftreten wie das Thomas Müller, Kingsley Coman, Jerome Boateng und selbst auch Mats Hummels an den Tag legten, hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt im Bayern-Kader nur bei den vielen Ausrastern von Franck Ribéry gesehen. Die Krise in der Hinrunde und das nahende Karriereende scheint einigen Bayern-Spielern doch ordentlich zugesetzt zu haben. Schade nur dass Schiedsrichter Daniel Siebert das konsequent durchgehen lies. Der Bremer Kapitän Max Kruse musste vermehrt und vehement auf Siebert einreden, damit dieser Coman endlich einmal verwarnte. Fast schon obligatorisch sah Kruse in diesem Zusammenhang natürlich ebenfalls gelb. Genau wie bei der Elfmeter-Entscheidung merkte man in diesen Situationen Sieberts Respekt gegenüber den Bayern an.

Und so endete das Spiel letztlich eben doch wie erwartet mit einem – gemessen an den Spielanteilen – verdienten Bayern-Sieg und eben nicht in einem Pokal-Fight, den man so schnell nicht vergessen könnte – schade.

1 Kommentar

  1. Lars Plenge sagt:

    Ehrlich gesagt, kann ich nicht bestätigen, dass Osako der schlechteste Spieler war. Hat wirklich wenig Szenen gehabt und wurde auch nicht gut angespielt.

    Der Fehler vorm 0:1 ging diesmal auf den sonst so souveränen Pavlenka, genau wie beim 0:2, als er den Abstoß (wie so viele gestern) zu den Bayern spielt/schlägt. Das war nich so dolle vom besten Werder-Keeper seit Tim Wiese!

    Zu den Spielanteilen, war es gestern deutlich besser als am Samstag. Von der ersten Minute an, waren die Bremer da. Stark ist doch, dass man nach dem 0:2 so zurückkommt! Vor ein paar Jahren, hätten wir nach den Gegentoren noch 2 bis 3 bekommen.

    Das es dann so endet ist einfach nicht fair! Und was Hummels und Konsorten da getrieben haben, hat auch nichts mit Fairplay zu tun! Wenn der SR sonen Elfer pfeift, muss Hummels 2mal mit rot runter und Coman hätte minimum mal gelb sehen müssen!

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